Die Rückkehr der spanischen Marke EBRO erfolgt mit einem SUV mit chinesischen Wurzeln. Doch schon nach wenigen Kilometern wird klar, dass er Aufmerksamkeit verdient.
Nach vielen Jahren im Dornröschenschlaf ist die spanische Marke EBRO wieder da. Das Überraschendste an diesem Comeback ist weder die Kooperation mit dem chinesischen Hersteller Chery noch die Rückkehr zur Produktion im früheren Werk in Barcelona, dessen letzter Eigentümer Nissan war. Entscheidend ist vielmehr, wie die Marke ihren Neustart vorbereitet hat.
EBRO hat eine Modellpalette für die passenden Segmente aufgebaut, Antriebe ausgewählt, nach denen Kunden suchen, und ein Preis-Ausstattungs-Verhältnis geschaffen, das kaum zu übersehen ist. Der einzige Nachteil: Elektroautos gibt es noch nicht, das soll sich 2027 ändern. Abgesehen davon scheint die Marke fast alle wichtigen Entscheidungen richtig getroffen zu haben.
Es blieb nur die wirklich relevante Frage: Können die neuen Modelle diesen Anspruch auch erfüllen? Der s700 PHEV ist der erste EBRO, den wir gefahren sind. In den folgenden Abschnitten klären wir, ob sich hinter einem bislang nahezu unbekannten Namen ein Produkt verbirgt, das etablierten Modellen und einem hart umkämpften Markt gewachsen ist.
Größer, als er wirkt
Optisch besitzt der s700 noch nicht die unverwechselbare Designsprache einiger langjährig etablierter Wettbewerber in diesem Segment. Mit Blick auf die jüngere Geschichte von EBRO wäre etwas anderes auch überraschend. Dennoch leidet er keineswegs unter der visuellen Beliebigkeit, die man mit vielen Marken verbindet, die derzeit neu auf den portugiesischen Markt kommen.
EBRO wollte eine modellübergreifende Identität entwickeln. Besonders deutlich wird sie am geschlossenen Kühlergrill, der dem s700 mehr Präsenz verleiht, sowie an den aufwendiger gezeichneten Leuchten.
In dieser Hinsicht macht der s700 nichts falsch, setzt aber auch keine besonderen Akzente. Spannender ist, was seine Abmessungen bedeuten: Mit 4,55 Metern Länge bleibt er nur 5 cm hinter dem Toyota RAV4 zurück, ist zugleich 5 cm länger als der Jaecoo 7 und 1 cm länger als der Volkswagen Tiguan.
Damit ist dieser SUV auf Familien zugeschnitten und bietet genügend Platz, um sowohl den Alltag als auch die Anforderungen einer Urlaubsreise zu bewältigen.
EBRO s700: Innenraum mit etwas anonymem Design
Platzmangel ist in diesem spanisch-chinesischen SUV kein Thema. Auch bei näherer Betrachtung der Verarbeitung hinterlässt er einen guten Eindruck. Die Materialien fühlen sich größtenteils angenehm an und unterstützen den wertigen Gesamteindruck im Innenraum.
Der größte Kritikpunkt betrifft die Gestaltung des Cockpits, die vielen anderen Angeboten auf dem Markt recht ähnlich sieht. Einige Details, vor allem die Mittelkonsole, wirken sogar etwas überholt.
Ist der allgemeine Qualitätseindruck gut, gilt das ebenso für die Ausstattungsliste – eine der großen Stärken dieses SUV.
Bei den unvermeidlichen Bildschirmen gibt es ein digitales 12,3-Zoll-Kombiinstrument und einen zentralen Infotainment-Bildschirm mit derselben Diagonale. Die Bedienung ist in beiden Fällen angenehm, ohne besonders hervorzustechen. Im Segment existieren einfachere und modernere Lösungen, doch dieses System gibt sich keine Blöße: Es arbeitet flüssig und reagiert schnell, nicht zuletzt dank eines Qualcomm Snapdragon 8155-Chips.
Viel Beinfreiheit im Fond
Der EBRO s700 punktet außerdem mit dem Platzangebot auf der Rückbank. Mit meinen 1,83 m Körpergröße kann ich dort sehr bequem sitzen.
Zwar lassen sich diese Sitze nicht längs verschieben, wie es etwa beim Renault Austral oder Ford Kuga möglich ist, und auch die Neigung der Lehnen ist nicht verstellbar. Dafür gibt es einen aus meiner Sicht noch wichtigeren Vorteil: Die Kopffreiheit setzt Maßstäbe.
Der Kofferraum fasst 484 Liter. Das entspricht ungefähr dem Wert der Plug-in-Hybrid-Versionen des Tiguan, liegt aber deutlich über dem Jaecoo 7 mit lediglich 340 Litern. Auch im Vergleich mit dem Toyota RAV4 PHEV (340 Liter) hat der EBRO s700 die Nase vorn.
Mehr als 1200 km Reichweite
In Portugal ist der s700 ausschließlich mit einem Plug-in-Hybridantrieb erhältlich. Dieser kombiniert einen 1,5-Liter-Turbobenziner mit 143 PS mit zwei Elektromotoren. Einer davon übernimmt den Antrieb und leistet 150 kW (204 PS) sowie 310 Nm.
Insgesamt stellt das PHEV-System des s700 279 PS maximale Systemleistung und 365 Nm maximales Drehmoment bereit. Damit beschleunigt er in 8,4s von 0 auf 100 km/h und erreicht eine elektronisch begrenzte Höchstgeschwindigkeit von 180 km/h.
Das sind keine außergewöhnlichen Werte, für den normalen Einsatz aber völlig ausreichend. Der s700 verfügt über genügend „Feuerkraft“, um bei jedem Überholvorgang Vertrauen zu vermitteln und auch längere Strecken mühelos zu bewältigen.
Der interessanteste Bestandteil dieses Hybridantriebs könnte jedoch die LFP-Batterie mit 18,4 kWh Kapazität sein. Sie ermöglicht bis zu 90 Kilometer rein elektrisches Fahren nach WLTP. Das reicht aus, um einen großen Teil der täglichen Fahrten ohne einen Tropfen Kraftstoff zurückzulegen – vorausgesetzt, regelmäßiges Laden ist möglich, insbesondere über Nacht zu Hause.
Auf längeren Fahrten entfällt ebenfalls die Sorge um Lademöglichkeiten: Mit voller Batterie und vollem Tank liegt die angegebene kombinierte Reichweite bei mehr als 1200 Kilometern.
Aussagekräftiger als dieser Prospektwert war allerdings unser Ergebnis im Test. Nach rund 600 Kilometern ohne einen einzigen Ladevorgang zeigte der Bordcomputer 5,7 l/100 km an. Für einen SUV dieser Größe mit fast 1900 kg ist das ein sehr beachtlicher Wert.
Wie fährt sich der s700 auf der Straße?
Sobald man den s700 auf freier Strecke bewegt, zeigt sich, dass EBRO den Komfort klar über sportliche Ambitionen gestellt hat. Die Lenkung ist zu stark unterstützt und vermittelt kaum, was an der Vorderachse passiert.
Die Karosserie neigt sich in Kurven spürbar, und die Vorderachse verliert relativ leicht an Traktion. Dafür muss man nicht einmal besonders schnell fahren. Einen Teil der Verantwortung scheinen die für diese Version gewählten Reifen zu tragen.
Sein dynamisches Verhalten begeistert daher nicht. Das ist jedoch auch keineswegs die Priorität dieses Modells, das klar auf Fahrkomfort setzt. Das zeigt sich sowohl daran, wie problemlos das Fahrwerk Unebenheiten im Asphalt ausgleicht, als auch an der akustischen Dämmung des Innenraums.
Und der Preis?
Der EBRO s700 PHEV ist in Portugal ab 42 240 Euro in der Ausstattung Premium erhältlich. Das von uns getestete Fahrzeug mit der höchsten Ausstattungslinie Luxury kostet 2000 Euro mehr – ein Aufpreis, der sich meiner Ansicht nach lohnt.
Dafür gibt es unter anderem beheizte und belüftete Vordersitze mit elektrischer Verstellung, ein Panoramadach, ein Head-up-Display und abgedunkelte hintere Scheiben. Hinzu kommt eine ohnehin bereits sehr umfangreiche Ausstattungsliste (siehe Liste am Ende dieses Artikels).
In dieser Disziplin liegt der s700 leicht hinter dem Jaecoo 7, dessen Einstiegspreis niedriger ausfällt, ist jedoch deutlich günstiger als ein Volkswagen Tiguan mit Plug-in-Hybridantrieb.
Nach einer Woche mit dem s700 erscheint mir der Citroën C5 Aircross PHEV allerdings als einer der direktesten Konkurrenten. Er ermöglicht bis zu 96 km rein elektrisches Fahren, bietet mehr Innenraum und einen noch größeren Kofferraum und ist auf der Straße zugleich kultivierter. Der französische SUV hat auch beim Preis einen kleinen Vorteil, denn er ist ab 39 500 Euro erhältlich.
Unterm Strich bringt der EBRO s700 PHEV Argumente mit, die schwer zu ignorieren sind: viel Ausstattung, Platz, Komfort und ein Hybridsystem, das sich selbst ohne regelmäßiges Laden als effizient erwiesen hat. Wer ein besonders involvierendes Fahrerlebnis sucht, wird nicht begeistert sein – doch genau das wollte dieses Modell nie bieten.
Das größte Hindernis liegt vermutlich außerhalb des Fahrzeugs. In einem Segment voller bekannter Namen muss EBRO das Vertrauen erst noch gewinnen, das viele Rivalen bereits über ihr Markenemblem mitbringen. Der s700 liefert der Marke zumindest überzeugende Argumente für den Anfang.
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