Lernen Sie den brandneuen Volkswagen Beetle kennen.
Eigentlich müssen wir hier kurz innehalten und etwas erklären. Dies ist der neue Beetle, doch auch das Vorgängermodell hiess bereits New Beetle – und einen „Neuen Neuen Beetle“ kann man kaum ernsthaft nennen. Deshalb hat VW ihn schlicht The Beetle getauft. Und das Original heisst einfach Beetle. Gut, dass das geklärt ist.
Ehrlich gesagt ist der Beetle der vorherigen Generation beim aktuellen Modell der sprichwörtliche Elefant im Raum. Volkswagen weiss genau, dass Autobegeisterte wie wir ihn als monströsen Retro-Kitsch wahrnahmen: Blumenvasen, runde Formen und kaum echter Gehalt. Obwohl sich das Auto gut verkaufte – in 13 Jahren mehr als eine Million Exemplare –, wurde es nie wirklich geliebt. Uns wurde ein Film über 73 Jahre Beetle-Geschichte gezeigt, in dem der letzte New Beetle nur für eine einzige Sekunde zu sehen war.
Volkswagen hofft, dass der neue neue Beetle daran etwas ändert. Gewünscht ist ein sportlicherer Beetle, bei dem hinter der weiterhin niedlichen Erscheinung solide Technik steckt. Entsprechend modern ist das Motorenangebot: Es reicht vom hervorragenden 1,2-Liter-TSI über einen 1,6-Liter-Diesel bis zu unserem Testwagen, dem 25.000 Pfund teuren 2,0-Liter-TFSI. Das Fahrwerk basiert weitgehend auf dem des Golf. Beetle in der höchsten Ausstattung erhalten eine Mehrlenker-Hinterachse ähnlich der des Ford Focus sowie ein elektronisches Differenzial an der angetriebenen Achse; günstigere Versionen müssen mit einer Verbundlenkerachse auskommen.
Volkswagen Beetle: Karosserie und Personalisierung
Auch optisch wirkt der Beetle entschlossener. Die Dreifach-Blasenform des früheren New Beetle ist verschwunden. Der neue Wagen ist 84 mm breiter und 152 mm länger, zugleich aber 12 mm niedriger, was ihm eine deutlich geducktere Haltung verleiht. VW hat zudem das Dach flacher gestaltet und die Windschutzscheibe wesentlich aufrechter positioniert. Das orientiert sich nicht nur stärker am ursprünglichen Beetle, sondern verbessert auch die Kopffreiheit im Fond spürbar.
Wie beim Mini oder Fiat 500 lässt sich das Auto individualisieren, sodass Käufer ihrem eigenen Wagen einen „Namen“ geben können. Praktisch bedeutet das, dass sich das Emblem am Heck auswählen lässt. In Grossbritannien beschränkt sich die Auswahl auf Beetle, Volkswagen oder Turbo – ungefähr so individuell wie ein Landwirt mit einem Labrador. Man sollte den Händler jedoch dazu bewegen, die japanische Schrift freizugeben. Laut VW ist das technisch möglich, und die grafisch eindrucksvollen japanischen Zeichen sind erheblich cooler als die serienmässigen britischen Varianten.
Innenraum zwischen Retro-Charme und Sparzwang
Im Innenraum finden sich ebenfalls Anklänge an vergangene Zeiten. Unser Fahrzeug war ein Sport der Spitzenklasse und besass daher eine Armaturenbrettblende in Carbonfaser-Optik sowie hochwertig wirkende Klavierlack-Kunststoffe an den oberen Türbereichen. Bei den Ausstattungen Beetle oder Design gibt es stattdessen Kunststoffe in Wagenfarbe, die ebenso gelungen aussehen. Auch das angenehm dünne Lenkrad passt hervorragend zu einem Auto, das an die Epoche hölzerner Lenkradkränze erinnern will.
Perfekt ist das Interieur allerdings keineswegs. Die modernen VW-Schalter harmonieren optisch kaum mit den Retro-Elementen, und es gibt weiterhin misslungene nostalgische Ideen wie das nach oben aufklappende Handschuhfach. Es ist extrem unpraktisch, weil es aufgrund des dahinter montierten Airbags nur sehr flach ausfällt. Schlimmer noch: Es wirkt nicht besonders stabil. Überhaupt finden sich im Innenraum zu viele günstige, harte Kunststoffe. Wer die übliche Volkswagen-Verarbeitungsqualität erwartet, sollte lieber beim Golf bleiben.
Das gilt auch für alle, die hohen Fahrkomfort suchen. Obwohl unser Testwagen das normale Fahrwerk hatte – das optionale Sportfahrwerk liegt 15 mm tiefer und ist noch straffer –, polterte der Beetle über Unebenheiten viel zu stark. Trotz identischer Mehrlenker-Hinterachse wirkte er schlicht nicht so kultiviert wie ein Golf.
Fahrverhalten und 2,0-Liter-TFSI des Beetle
Beim Handling gibt es für den Beetle dagegen bessere Nachrichten: Nun fährt er genauso gut wie der Golf. Man hat nicht mehr das Gefühl, einen grossen Wackelpudding zu lenken, denn die breitere Spur vorne und hinten verbessert sowohl Grip als auch Einlenkverhalten. Das Auto reagiert präziser. Ein Hot Hatch ist es weiterhin nicht, und dem ähnlich teuren Golf ist es nicht überlegen, doch wenigstens zeigt es mehr Begeisterung.
Gegenüber dem Beetle der vorherigen Generation ist dieses Auto enorm verbessert. Es fühlt sich sportlicher an und macht wirklich Spass – zweifellos mehr, als die meisten Beetle-Besitzer verlangen oder benötigen werden. Wir fuhren den 2,0-Liter-TFSI an der Spitze der Modellreihe, dessen Motor auch im Golf GTI eingesetzt wird und genügend Leistung liefert. Für den Beetle wurde er jedoch gedrosselt, weil VW nicht möchte, dass er dem prestigeträchtigen GTI zu nahekommt: Hier leistet er 197 bhp und 206 lb ft. Dennoch dauert der Sprint von 0 auf 62 mph nur 7,5 Sekunden, also 0,6 Sekunden länger als beim GTI, und mit dem DSG-Getriebe fällt die Drehzahl nie aus dem Turbobereich.
Merkwürdig ist allerdings, dass die DSG-Option keine Schaltwippen hinter dem Lenkrad bietet. Manuelle Gangwechsel erfolgen ausschliesslich über den Wählhebel, was sich etwas seltsam anfühlt. Ausserdem wird es eine Auswahl kleinerer Motoren geben, die unserer Einschätzung nach die attraktivere Wahl sein könnten, weil sie Leistung und Preis stimmiger kombinieren.
Unterm Strich ist The Beetle tatsächlich wesentlich besser als der New Beetle. Das ist allerdings keine besonders hohe Hürde – es ist ungefähr so, als würde man behaupten, Benzin sei besser als Dampf. Beim alten Modell hätte man für den Kauf fast für verrückt erklärt werden müssen, während dieser Beetle durchaus überzeugende Argumente bietet. Das gilt aber vor allem für die günstigeren Bereiche der Preisliste. Bei 25.000 Pfund ist die Konkurrenz zu ernsthaft, insbesondere innerhalb des übrigen VW-Konzerns. Wie immer beim Beetle kauft man ihn wegen des Gefühls, das er vermittelt, und nicht, weil er fürs Geld das beste Auto ist.
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