Die zehnte Generation des Honda Civic zählt weiterhin zu den interessantesten Angeboten ihrer Klasse. Beim 1.0 Turbo ist jedoch die Historie ebenso wichtig wie das Auto selbst.
Der Honda Civic hat sich nie davor gescheut, einen eigenen Weg zu gehen. Die zehnte Generation ist dafür vielleicht das deutlichste Beispiel. Sie kam 2017 nach Europa und fiel wesentlich grösser sowie extravaganter aus als ihr Vorgänger. Während der Volkswagen Golf weiterhin auf Zurückhaltung setzte, wirkte der Civic, als hätte er sein Erscheinungsbild eines Messe-Showcars noch nicht ganz abgelegt.
Auch unter der Karosserie änderte sich nahezu alles. Honda entwickelte eine neue globale Plattform, führte wieder eine anspruchsvolle Mehrlenker-Hinterachse ein und setzte beim europäischen Civic erstmals konsequent auf aufgeladene Benzinmotoren. Bei unserer ersten Fahrt im Jahr 2017 überzeugten uns vor allem das Fahrwerk, die Lenkung und der temperamentvolle Charakter dieser neuen Motoren.
In diesem Gebrauchtwagen der Woche steht der Honda Civic 1.0 VTEC Turbo im Mittelpunkt, der Dreizylinder als Einstiegsmotorisierung der Baureihe. Bei Pisca Pisca beginnen die Angebote bei weniger als 16.000 Euro, während jüngere Exemplare um 20.000 Euro kosten. Das wirkt verlockend, zumal er nach wie vor viel Auto fürs Geld bietet. Eine mechanische Schwachstelle darf dabei allerdings nicht übersehen werden.
Ein Civic mit klarer Abkehr von der Vergangenheit
Gegenüber der neunten Generation war der Fortschritt enorm. Der Honda Civic legte um 148 mm in der Länge und um 29 mm in der Breite zu, wurde zugleich aber 36 mm niedriger. Der kompakte Familienwagen überschritt damit die Marke von 4,5 m und erreichte fast die Abmessungen der nächsthöheren Klasse; der Radstand beträgt 2,7 m.
Diese Proportionen ermöglichten Honda einen niedrigeren Schwerpunkt und mehr Platz im Innenraum. Gleichzeitig entstand eine Silhouette, die sich kaum mit einem Konkurrenten verwechseln lässt.
2020 folgte die Modellpflege zur Mitte des Lebenszyklus. Grosse Unterschiede sollte man nicht erwarten: Der Kühlergrill wurde schlichter gestaltet, die Lufteinlässe überarbeitet und neue Zierleisten sowie veränderte Lichtsignaturen eingeführt. In diesem Zuge kam auch die Ausstattungslinie Sport Line hinzu, die den 1.0 Turbo mit speziellen Seitenschwellern, Spoiler und Diffusor optisch an den Type R (FK8) anlehnte.
Innenraum ab 2020 deutlich angenehmer
Bei Verarbeitungsqualität ist der Innenraum wesentlich besser gealtert als bei der Technik. Die Sitzposition ist niedrig, die Sitze bieten guten Halt und die wichtigsten Bedienelemente liegen sinnvoll zur Hand.
Vier Erwachsene finden ausreichend Platz für komfortable Reisen. Der fünftürige Honda Civic bietet zudem einen Kofferraum mit 478 Litern, ein Wert, der in dieser Klasse weiterhin als Referenz gelten kann.
Die cleveren Magic Seats der früheren Civic-Generationen fehlen jedoch. Honda verlegte den Kraftstofftank und verlor damit eine der Lösungen, die den Innenraum des Vorgängers besonders variabel gemacht hatten.
Das deutlichste Altersmerkmal ist Honda Connect. Die Grafik wirkt heute überholt, und der Bildschirm reagiert nicht besonders schnell. Bei den frühen Fahrzeugen erschwerte zudem die starke Abhängigkeit von Touchflächen die Bedienung.
Honda reagierte auf die Kritik. Mit dem Facelift von 2020 erhielt das Infotainmentsystem ebenso wie die Klimatisierung physische Tasten und Drehregler. Die Änderung erscheint klein, macht das Fahrzeug im Alltag aber erheblich leichter bedienbar.
Bei der Besichtigung eines Gebrauchten sollten Sie die Klimaanlage, Parksensoren, Rückfahrkamera und das Infotainmentsystem prüfen. Für diese Generation gibt es Berichte über kleinere elektrische Defekte und Probleme mit der Klimatisierung. Werfen Sie ausserdem einen genauen Blick auf den Lack, der sich gegenüber kleinen Kratzern und Steinschlägen nicht besonders widerstandsfähig zeigt.
Der kleine Motor überrascht
Zum Marktstart leistete der 1.0 VTEC Turbo in Kombination mit dem ausgezeichneten Sechsgang-Schaltgetriebe 129 PS und 200 Nm. Mit dem CVT-Getriebe (stufenloses Getriebe) sank das Drehmoment auf 180 Nm. Später wurde der Motor mit 126 PS angegeben, während die handgeschaltete Variante bei 200 Nm blieb.
Lassen Sie sich nicht von dem kleinen Hubraum abschrecken. Als wir diese Generation erstmals fuhren, überraschte der kompakte Dreizylinder mit seiner spontanen Leistungsentfaltung und dem Zusammenspiel mit dem präzisen Schaltgetriebe.
Natürlich besitzt er nicht die Reserven des hervorragenden 1.5 VTEC Turbo mit 182 PS, für den Familienalltag reicht seine Leistung aber aus. Der Sprint von 0 auf 100 km/h dauert ungefähr 11 Sekunden, und auf der Autobahn lassen sich hohe Geschwindigkeiten ohne grosse Mühe halten.
Das CVT ist im Stadtverkehr komfortabler, wir würden aber klar das manuelle Getriebe bevorzugen. Es nutzt den Motor besser aus und vermeidet zugleich den typischen Drehzahlanstieg eines CVT-Getriebes bei voller Leistungsanforderung.
Beim Verbrauch liegen laut Spritmonitor, das Daten von realen Nutzern erfasst, die meisten Fahrzeuge zwischen 6,4–7,0 l/100 km. Im Stadtverkehr sind Werte nahe acht Litern leicht erreichbar.
Der Honda Civic gehört weiterhin zu den fahraktivsten Kompakten
In diesem Punkt sammelt der Civic weiterhin viele Pluspunkte. Die Vorderachse reagiert unmittelbar, die Lenkung arbeitet präzise und die Mehrlenker-Hinterachse ermöglicht eine Karosseriekontrolle, die viele kompakte Familienfahrzeuge nicht bieten können.
Besonders bemerkenswert: Beim Komfort waren keine nennenswerten Abstriche nötig. Das Fahrwerk beherrscht die Bewegungen der Karosserie gut, ohne jede Unebenheit zu einer Belastung für die Insassen zu machen. Genau das zählte zu den Eigenschaften, die uns beim Erscheinen dieser Generation am meisten beeindruckten.
Der kleine Einliter-Motor leistet dabei sogar einen Beitrag. Durch sein geringes Gewicht bleibt die Vorderachse besonders willig beim Richtungswechsel, auch wenn klar ist, dass das Fahrwerk weit mehr Leistung verkraftet. Dafür muss es nicht einmal der Type R mit 320 PS sein. Der 1.5 Turbo mit 182 PS und manuellem Getriebe ist eine reizvolle Kombination. Schade nur, dass er in Portugal selten ist.
Wer gerne fährt, findet hier weiterhin eines der stärksten Argumente, den Civic statt eines konventionelleren Modells zu wählen.
Der Zahnriemen ist der kritische Punkt
Damit sind wir bei dem Grund angekommen, weshalb wir keinen Civic 1.0 Turbo kaufen würden, ohne seine Vorgeschichte genau zu kennen.
Der P10A2-Motor verwendet einen im Motoröl laufenden Zahnriemen, eine berüchtigte Lösung, die Ford auch bei einigen EcoBoost-Motoren und Stellantis bei den PureTech-Aggregaten einsetzte. Er war der einzige Motor dieser Civic-Generation mit dieser Konstruktion. Alle anderen, einschliesslich des 1.6 i-DTEC (Diesel), verfügen über eine Steuerkette.
Ein im Ölbad laufender Zahnriemen verringert Reibung und Geräusche, verlangt aber besondere Sorgfalt bei Wartung und Schmierstoff. Beginnt der Riemen sich aufzulösen, kann er Partikel an das Öl abgeben. Diese Rückstände können sich im Schmierkreislauf ansammeln und den Ölfluss einschränken. Die Folgen können den Turbolader betreffen und im schlimmsten Fall den Motor selbst beschädigen.
Es gibt genügend Berichte über Ausfälle bei diesen Motoren, um dies vor dem Kauf zum wichtigsten Prüfkriterium zu machen. Das bedeutet nicht, dass jeder 1.0 Turbo kaputtgehen wird. Es bedeutet, dass beim Kauf eines Fahrzeugs mit zweifelhafter Wartung keinerlei Spielraum besteht.
Verlangen Sie Rechnungen und nicht nur ein abgestempeltes Serviceheft. Prüfen Sie, welches Öl verwendet wurde, kontrollieren Sie die Wartungsintervalle und suchen Sie nach einem Nachweis über den Austausch des Zahnriemens.
Sie sollten dies als entscheidendes Kaufkriterium behandeln. Ist noch der erste Zahnriemen verbaut, ist es angemessen, einen Preisnachlass zu verlangen, der den Wechsel abdeckt, oder den Austausch vor der Übergabe zu fordern.
Auch die Ölwechselintervalle würden wir nicht ausreizen. Bei einem Motor dieser Art ist ein jährlicher Wechsel von Öl und Filter mit einem 0W-20-Schmierstoff, der die Honda-Spezifikation erfüllt, eine vergleichsweise günstige Vorsichtsmassnahme.
Was müssen Sie bezahlen?
Der Civic war nie günstig und hält seinen Wert weiterhin recht gut. Nach Daten von Pisca Pisca/Motor CV steigt der derzeit geschätzte Wert von 15.700 Euro für ein Fahrzeug aus 2017 auf 22.500 Euro für ein Exemplar aus 2022.
Gerade bei diesem Civic mit 1.0 Turbo sollten nicht nur Preis, Baujahr oder Kilometerstand zählen. Eine lückenlose Wartungshistorie und ein bereits ersetzter Zahnriemen können erhebliche Preisunterschiede rechtfertigen.
Diese Grafik von Pisca Pisca/Motor CV zeigt die Wertentwicklung des Honda Civic 1.0 Turbo genauer:
Was kann die Vorsorge gegen Probleme kosten?
Der Steuertrieb ist zugleich die Wartungsarbeit, die das Budget am stärksten belastet. Da der Eingriff deutlich aufwendiger ist als bei einem herkömmlichen Zahnriemen, sollten Sie mit Kosten von 1.000 bis 1.500 Euro rechnen. In einer Vertragswerkstatt oder wenn Bauteile des Ölkreislaufs demontiert und gereinigt werden müssen, kann die Rechnung erheblich höher ausfallen.
Genau deshalb kann ein besonders günstig angebotener Civic 1.0 das schlechteste Geschäft sein.
Auch die Klimaanlage gehört auf die Prüfliste. Eine einfache Neubefüllung mit Kältemittel ist nicht besonders bedenklich. Liegt jedoch eine Undichtigkeit am Kondensator oder einem anderen Bauteil vor, kann die Reparatur rasch mehrere hundert Euro kosten.
Rückrufaktionen
Der Bericht von Motor CV nennt eine Aktion für Fahrzeuge aus dem Produktionszeitraum 2017 bis 2020, die das Laufrad der Kraftstoffpumpe betrifft. Eine fehlerhafte Formgebung konnte eine Verformung des Bauteils verursachen und unter bestimmten Umständen zum Absterben des Motors führen oder dessen Start verhindern.
Daneben gibt es eine neuere europäische Aktion zu bestimmten optionalen Felgen, die bei Civic der zehnten Generation montiert wurden, weil sich die Radmuttern möglicherweise lösen können. Portugal gehört zu den betroffenen Märkten, allerdings sind nur einzelne Konfigurationen betroffen.
Prüfen Sie anhand der Fahrgestellnummer immer, ob noch Rückrufaktionen offen sind. Weitere Details zu den Rückrufaktionen des Honda Civic finden Sie im Bericht von Motor CV:
Welche Version würden wir wählen?
Wir würden nach einem Civic 1.0 VTEC Turbo Elegance mit Schaltgetriebe ab 2020 suchen. Das Facelift löste zwar nicht das grundlegende Problem des Steuertriebs, brachte aber einen angenehmer zu bedienenden Innenraum und fällt in eine reifere Phase des Modells.
Die Ausstattung Elegance umfasst die wirklich wichtigen Extras, darunter Rückfahrkamera, Sensoren, Konnektivität und 17″-Felgen. Sie wahrt damit einen guten Kompromiss aus Optik, Komfort und Reifenkosten. Allein für Panoramadach, Leder oder die zusätzliche Ausstattung der Executive-Version halten wir den Aufpreis nicht für erforderlich.
Ausserdem würden wir das Schaltgetriebe wählen. Es ist sehr gelungen, nutzt die 200 Nm des Motors besser und passt zu der grössten Stärke des Civic: seinem Fahrverhalten.
Vor der Entscheidung sollten Sie jedoch den Zustand des Zahnriemens nicht vergessen. Stehen zwei Civic zur Auswahl, einer mit 60.000 Kilometern ohne überzeugende Unterlagen zum Zahnriemenwechsel und ein anderer mit 100.000 Kilometern, kürzlich erneuertem Steuertrieb sowie Rechnungen für alle Wartungen, empfehlen wir den zweiten.
Alternativen
Der Mazda3 2.0 Skyactiv-G ist vermutlich die passendste Alternative für Käufer, die mechanische Zuverlässigkeit suchen und zugleich gerne fahren. Der Saugmotor bietet bei niedrigen Drehzahlen nicht das Drehmoment des Honda, ist aber deutlich weniger komplex.
Der Volkswagen Golf 1.0 TSI tritt zurückhaltender und konventioneller auf, beeindruckt jedoch weiterhin mit seiner ausgewogenen Gesamtqualität und einfachen Bedienbarkeit. Der SEAT Leon bietet eine etwas dynamischere Abstimmung bei gleicher technischer Basis.
Der Toyota Corolla Hybrid ab 2019 ist dagegen die vernünftigste Wahl, wenn Verbrauch und Stadtverkehr höchste Priorität haben. Er bindet den Fahrer weniger stark ein, punktet jedoch mit Effizienz und einem Hybridantrieb mit solidem Ruf.
Kommentare
Noch keine Kommentare. Sei der Erste!
Kommentar hinterlassen