Honda Portugal hat zur in dieser Woche vom PAN – Menschen, Tiere und Natur eingebrachten Initiative, die mit den Stimmen der PS und BE angenommen wurde, während PSD, PCP, CDS und Iniciativa Liberal dagegen stimmten und Chega sich enthielt, eine eindeutige Haltung.
Nach Auffassung der japanischen Marke, die in Portugal durch Sōzō vertreten wird, verschärft der Vorstoss die ohnehin angespannte Lage der Automobilbranche. Der Sektor verzeichnete im laufenden Jahr vor dem Hintergrund der aktuellen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Situation Rückgänge von über 35 %.
In einem von Sérgio Ribeiro, CEO von Honda Portugal Automóveis, unterzeichneten Schreiben erklärt die Marke ihre „große Sorge um die Arbeitsplätze der mehr als 150 Tausend Menschen, die derzeit die treibende Kraft des Automobilsektors in Portugal bilden“.
Honda Portugal kritisiert die Steuermaßnahme für Hybridfahrzeuge
Die japanische Marke kann das mit der Maßnahme verfolgte Ziel nicht nachvollziehen. Aus praktischer Sicht werde sie laut Honda Portugal Automóveis „lediglich eine zusätzliche Steuerbelastung für weniger umweltschädliche Fahrzeuge (Hybride und Plug-in-Hybride) bedeuten. Diese Belastung wird wiederum als direkte Nebenwirkung die Nachfrage nach Fahrzeugen mit Verbrennungsmotoren fördern, die naturgemäß umweltschädlicher sind“.
Honda Portugal Automóveis hat seinen Standpunkt in fünf Punkten dargelegt, die Razão Automóvel vollständig wiedergibt:
Fahrzeuge mit Hybridtechnologie weisen im Vergleich zu Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor deutlich geringere Emissionswerte auf – auch bei Antrieben mit größerem Hubraum. Als Vergleich: Ein Hybrid-Familienwagen stößt durchschnittlich 119 g/km CO₂ aus, gegenüber 128 g/km bei einem Diesel-Familienwagen und 142 g/km bei einem benzinbetriebenen Familienwagen (Quelle: ACAP, Zulassungen Jan.–Okt. ’20). Die durchschnittlichen Emissionswerte von Fahrzeugen werden in strengen, kontinuierlich weiterentwickelten Homologationstests ermittelt, welche diese Werte bestätigen.
Derzeit liegt keine ausreichend umfassende und belastbare Studie vor, die Hybrid- und Plug-in-Hybridautos selbst ohne Aufladung eine stärkere schädliche Wirkung als Verbrennungsmotoren zuschreibt. Die Hybridtechnik beruht zugleich auf der Verbindung zweier Motoren – eines Verbrennungs- und eines Elektromotors –, deren Zusammenspiel vor allem eine effizientere Fahrweise, einen niedrigeren Kraftstoffverbrauch und damit geringere CO₂-Emissionen ermöglichen soll. Aus unserer Sicht ist die Grundlage für diese neue Maßnahme daher weder ausreichend untersucht noch mit der Realität vereinbar.
Die Maßnahme führt zu einer höheren Besteuerung von Hybrid- und Plug-in-Hybridautos, in einigen Fällen sogar zu einer Verdoppelung. Betroffen sind damit Fahrzeuge, die objektiv umweltfreundlicher sind. Einerseits werden Portugiesinnen und Portugiesen für weniger umweltschädliche Autos mehr bezahlen, was die Nachfrage nach diesen Antrieben zwangsläufig bremsen wird. Andererseits stellen Elektrofahrzeuge nach unserer Einschätzung aufgrund der Nutzungsgewohnheiten keine praktikable Alternative für Fahrer von Hybrid- und Plug-in-Hybridfahrzeugen dar. Ihre Wahl wird deshalb auf Verbrennungsmotoren fallen, sodass sich die nun beschlossene Maßnahme als kontraproduktiv erweist.
Erneuerung des portugiesischen Fahrzeugbestands als Alternative
Um die Emissionen des nationalen Fahrzeugbestands wirksamer zu senken, der mit einem Durchschnittsalter von 13 Jahren zu den ältesten Europas zählt, wären steuerliche Anreize zur Verschrottung von Fahrzeugen mit veralteter und naturgemäß schädlicherer Technik sinnvoller. Eine schrittweise Erneuerung des portugiesischen Fahrzeugbestands durch effizientere Fahrzeuge, insbesondere Hybride und Plug-in-Hybride, würde strategisch und nachhaltig eine drastische Verringerung der durchschnittlichen CO₂-Emissionen auf kurze und mittlere Sicht gewährleisten.
Die Automobilindustrie gehört zweifellos zu den aktivsten Akteuren bei der Einführung von Maßnahmen und Technologien, die den ökologischen Fußabdruck begrenzen und verringern sollen. Diese Schritte erfordern naturgemäß erhebliche eigene Investitionen in Forschung und Entwicklung. Ihr Ziel ist es, ein stärker auf die Erfüllung der CO₂-Emissionsziele ausgerichtetes Angebot bereitzustellen und zugleich der breiten Öffentlichkeit einen besseren Zugang zu umweltfreundlicher Technologie zu ermöglichen. Gerade dieser Zugang wird in Portugal nun weiter erschwert. Die Anstrengungen der Automobilbranche in diesem Bereich werden dadurch wirkungslos, und unser Markt gerät im Vergleich zur europäischen Realität erneut in eine stark rückständige Position.
Nach Ansicht von Honda Portugal Automóveis wird dieser Vorschlag „schwerwiegende Auswirkungen auf die strategische Ausrichtung des Sektors haben, vor allem aber auf die wirtschaftliche und soziale Ebene. Diese neue Ausrichtung steht nicht nur diametral im Gegensatz zu der in den vergangenen Jahren umgesetzten Strategie, die auf ein stärkeres Umweltengagement abzielte, sondern stellt unserer Auffassung nach auch einen tiefgreifenden Widerspruch zum bisher eingeschlagenen Weg dar, was unmittelbare schwerwiegende Folgen haben wird“.
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