Angesichts der jüngsten Kontroversen um Plug-in-Hybride – von der Behauptung, sie seien eine „Umweltkatastrophe“, bis zum umstrittenen Vorschlag der portugiesischen Partei PAN für den Staatshaushalt 2021, ihnen die Steuervorteile zu streichen – bleibt an Bord des Citroën C5 Aircross Hybrid alles entspannt, als beträfe ihn die Debatte nicht.
Entspannt ist tatsächlich das treffendste Wort sowohl für den ersten Plug-in-Hybrid von Citroën als auch für den C5 Aircross selbst. Das haben wir mehrfach festgestellt: bei unserer ersten Begegnung 2018 in Marokko, in diesem Jahr in Portugal am Steuer des 1.5 BlueHDi und zuletzt bei der dynamischen Videopräsentation dieses neuen Hybrid in Spanien.
Nachdem wir den C5 Aircross Hybrid nun mehrere Tage in Portugal gefahren sind, konnten wir seine Stärken und Schwächen umfassend kennenlernen und zudem die Fragen zum umstrittenen Thema Verbrauch und Emissionen von Plug-in-Hybriden einordnen.
Sind 1,4 l/100 km erreichbar?
Wer unsere Tests anderer Plug-in-Hybride gelesen oder gesehen hat, wird ein wiederkehrendes Muster erkennen: Unsere Verbrauchswerte liegen stets über den offiziellen kombinierten Angaben – zwei-, drei- oder sogar viermal so hoch. Der Grund ist leicht nachvollziehbar. Bei den WLTP-Zertifizierungstests für Verbrauch und Emissionen startet ein Plug-in-Hybrid mit vollständig geladener Batterie. Deshalb übernimmt der Elektromotor während eines erheblichen Teils des Prüfzyklus allein den Antrieb.
Es überrascht daher nicht, dass die große Mehrheit der Plug-in-Hybride kombinierte Verbrauchswerte unter 2,0 l/100 km und CO₂-Emissionen von weniger als 50 g/km ausweist. Der C5 Aircross Hybrid nennt sogar nur 1,4 l/100 km, 32 g/km und eine elektrische Reichweite von 55 km. In der chaotischeren Realität, fernab streng kontrollierter Labortests, kann die kleine Batterie jedoch nicht immer so regelmäßig geladen werden, wie es nötig wäre. Entsprechend muss der Verbrennungsmotor deutlich häufiger eingreifen.
Das trifft auch auf den hier getesteten C5 Aircross Hybrid zu. Die offiziellen 1,4 l/100 km – oder sogar weniger – sind durchaus möglich, wenn im Alltag kurze Strecken gefahren werden und eine Lademöglichkeit jederzeit verfügbar ist. Ist die Batterie jedoch leer – bei unbeschwerter Fahrweise erreichte ich rund 45 km emissionsfreie Reichweite –, lassen sich Verbräuche zwischen 6 und 6,5 l/100 km problemlos erzielen.
Ist das deutlich mehr? Zweifellos. Macht es ihn zu einer „Umweltkatastrophe“? Natürlich nicht. Diese Werte müssen im richtigen Kontext betrachtet werden.
Der Verbrauch liegt nur etwas über dem des C5 Aircross 1.5 BlueHDi. Im Hybrid leistet der 1.6 PureTech allerdings 180 PS, die zusammen mit dem Elektromotor auf 225 PS steigen, während der Diesel bei 130 PS bleibt. Der elektrifizierte C5 Aircross ist somit nicht nur auf dem Papier, sondern auch spürbar schneller – dank des sofort verfügbaren Drehmoments des Elektromotors, obwohl er rund 300 kg mehr wiegt.
Wie bei allen anderen von uns getesteten Plug-in-Hybriden gilt auch hier: Dieser C5 Aircross Hybrid ist nicht für jeden geeignet. Seine Existenz ergibt nur Sinn, wenn er regelmäßig geladen wird.
Citroën C5 Aircross Hybrid: Sanft, vielleicht zu sanft
Wer sich für den Citroën C5 Aircross Hybrid entscheidet, erhält einen sehr komfortablen und kultivierten Familien-SUV. Der C5 Aircross fährt zwar in jeder Ausführung ausgesprochen bequem, doch die Hybridversion ergänzt dies um eine weitere Ebene der Verfeinerung – sprich: bessere Geräuschdämmung.
Das ist bemerkenswert, denn der Hybrid ist zugleich der leistungsstärkste und einer der schnellsten C5 Aircross. Das unmittelbar anliegende Drehmoment des Elektromotors trägt wesentlich zur erfreulich lebhaften Beschleunigung bei, sodass sich der SUV wirklich souverän bewegt. Das Zusammenspiel beider Antriebe ist gelungen: Der Verbrenner schaltet sich nicht ruppig zu, die Geräuschkulisse bleibt hervorragend im Zaum, und das achtstufige Automatikgetriebe ë-EAT8 verwaltet das gesamte System sehr überzeugend.
Das Fahrerlebnis wirkt dennoch etwas widersprüchlich. Einerseits steht eine Leistung bereit, die dazu verleitet, sie auszunutzen; andererseits fordert alles Übrige am C5 Aircross Hybrid zu einer gelassenen Fahrweise auf.
Das liegt an der grundsätzlich starken Unterstützung seiner Bedienelemente, selbst dort, wo sie geringer ausfallen sollte – auf der Autobahn fehlt der Lenkung beispielsweise Gewicht. Hinzu kommt die sehr weiche Federung, die bei höherem Tempo ihre Grenzen bei der Kontrolle der Karosseriebewegungen zeigt. Auch die ë-EAT8 zögert, wenn das Gaspedal entschlossener betätigt wird; diese Eigenschaft bleibt selbst im manuellen Modus bestehen.
Tief durchatmen, das Tempo reduzieren und Lenkung sowie Pedale sanfter bedienen – dann kehrt die Harmonie zwischen Antrieb und Fahrwerk zurück. Schließlich handelt es sich um einen Familien-SUV und nicht um einen sportlichen Kompaktwagen; beim C5 Aircross steht der Komfort klar im Mittelpunkt. Etwas mehr Lenkwiderstand und ein stärkeres Gefühl der Verbindung zwischen Fahrer und Fahrzeug wären dennoch willkommen. Das wirft die Frage auf, weshalb es überhaupt einen Sportmodus gibt …
Davon abgesehen ist das Fahrverhalten sicher und unaufgeregt. Ungewöhnliche Reaktionen treten nicht auf, sämtliche Bewegungen bleiben jederzeit gut vorhersehbar.
SUV oder Van? Warum nicht beides?
Ansonsten bleibt er der bekannte C5 Aircross: Neben seinem Komfort ist er besonders variabel und erinnert damit an einen Van. Er ist weiterhin der einzige im Segment mit drei einzelnen, identisch ausgeführten Rücksitzen. Jeder davon lässt sich um 150 mm verschieben, die Lehnen können geneigt und umgeklappt werden. Das Platzangebot in der zweiten Reihe ist durchaus ordentlich, insbesondere in der Breite. Konkurrenzmodelle aus dem Volkswagen-Konzern – Skoda Karoq, Volkswagen Tiguan und SEAT Ateca – bieten jedoch mehr Beinfreiheit und vermitteln zudem ein großzügigeres Raumgefühl.
Gegenüber den übrigen Varianten der Baureihe hat der Citroën C5 Aircross Hybrid allerdings einen Nachteil. Die im Heck untergebrachten Batterien nehmen dem Kofferraum Volumen: Statt der vorbildlichen 580–720 l, abhängig von der Stellung der Rücksitze, bleiben moderatere, aber weiterhin beachtliche 460–600 l.
Ist der Citroën C5 Aircross Hybrid das richtige Auto für mich?
Diese Frage lässt sich wegen der besonderen Ausrichtung dieser Version nicht einfach beantworten. Als Familienfahrzeug erfüllt der C5 Aircross Hybrid seine Aufgabe überzeugend – die Van-Gene leisten dazu einen wichtigen Beitrag. Der Plug-in-Hybridantrieb passt jedoch nicht zu jedem Nutzungsprofil, denn er lohnt sich nur dann wirklich, wenn die Batterie häufig geladen wird; das begünstigt auch einen stärker städtisch geprägten Einsatz.
Hinzu kommt, dass die zwei Antriebe – Verbrenner und Elektromotor – den Preis dieses Modells auf über 46.000 Euro treiben. Bei unserem Testwagen steigt er einschließlich der Sonderausstattung auf mehr als 48.000 Euro. Für ein Unternehmen könnte er sinnvoller sein, um die für diese Fahrzeugart weiterhin bestehenden Steuervorteile zu nutzen.
Privatkunden finden im C5-Aircross-Programm günstigere Alternativen. Die einzige Variante mit vergleichbarer Leistung ist allerdings der reine Benziner 1.6 PureTech mit 180 PS und EAT8-Getriebe. Er ist zwar ungefähr 7.000 Euro günstiger, wird aber stets deutlich mehr Kraftstoff verbrauchen.
Kommentare
Noch keine Kommentare. Sei der Erste!
Kommentar hinterlassen