Zwei Jahre nachdem wir einen Volkswagen Arteon in der Ausstattungslinie Elegance mit 2.0 TDI und 150 PS getestet hatten, trafen wir erneut auf einen Arteon mit exakt diesen Eckdaten.
In der Zeit zwischen beiden Tests erhielt der Arteon allerdings ein kürzlich erfolgtes Facelift samt Aktualisierung. Neben einer überarbeiteten Optik bringt er damit mehr Technik und die jüngste Ausbaustufe des 2.0 TDI mit, die zuvor im neuen Golf eingeführt wurde.
Hat dieses Update die Argumente des Volkswagen gestärkt, der den Premium-Angeboten „Paroli bieten“ will? Die Antwort folgt in den nächsten Abschnitten.
Seinem Stil treu geblieben
Am dezentesten fiel die Überarbeitung des Arteon wohl beim Design aus. Zwar bekam er neue Räder und Stoßfänger, außerdem kann sich die Lichtsignatur nun über die gesamte Breite des Kühlergrills erstrecken. Doch diese Details werden vor allem aufmerksamen Beobachtern auffallen, denn ansonsten bleibt alles beim Alten.
Und das ist durchaus positiv. Gerade an der Front besitzt der Arteon aus meiner Sicht eine ausgeprägte Eigenständigkeit. Er unterscheidet sich angenehm vom Passat und wirkt zugleich optisch dynamischer, ohne die für die Marke typische Zurückhaltung aufzugeben.
Darüber hinaus vermitteln seine Linien eine gewisse Sportlichkeit. Dadurch muss sich der Arteon bei der Fähigkeit, Blicke auf sich zu ziehen, keineswegs hinter den Premium-Modellen seines Segments verstecken.
Gewohnte Qualität, bei der Ergonomie mit Abstrichen
Im Innenraum des Volkswagen Arteon fällt eines sofort auf: An Platz mangelt es nicht. Die Vorzüge der MQB-Plattform sind weiterhin spürbar, denn sowohl vorn als auch hinten finden die Insassen im deutschen Modell reichlich Raum vor.
Auch beim Gepäckraum überzeugt das Platzangebot. Mit einem Volumen von 563 Litern bietet der Kofferraum mehr als genug Kapazität für das Reisegepäck von vier Erwachsenen. Die große Heckklappe, in die auch die Heckscheibe integriert ist, verleiht dem Arteon zudem eine erfreuliche Vielseitigkeit, ohne dass sein Stil darunter leidet.
Während diese Eigenschaften das Facelift unverändert überstanden haben, gilt das nicht für den übrigen Innenraum. Dieser wurde ebenfalls überarbeitet – sichtbarer als außen und mit stärkeren Auswirkungen auf die Bedienung des Fahrzeugs.
Den Anfang macht die neu gestaltete Mittelkonsole, die dem Arteon-Innenraum einen etwas eigenständigeren Charakter gegenüber dem Passat verleiht und beide Modelle deutlicher voneinander abgrenzt.
Weitere Neuerungen wie das MIB3-System sowie das nun serienmäßige digitale Kombiinstrument stellen gegenüber dem bislang bekannten Arteon ebenfalls klare Verbesserungen dar.
So sehr das Facelift in diesen Punkten echte Fortschritte bringt, so fraglich erscheinen die tatsächlichen Vorteile der digitalen Klimasteuerung und des neuen Multifunktionslenkrads. Optisch werten beide Lösungen den Arteon zweifellos auf, und das Lenkrad liegt sogar sehr gut in der Hand. Bei Bedienbarkeit und Ergonomie fällt das Urteil jedoch weniger positiv aus.
Die berührungsempfindlichen Bedienelemente für die Klimatisierung verlangen, dass man den Blick häufiger und länger von der Straße nimmt als früher. Auch die Tasten des neuen Multifunktionslenkrads benötigen eine gewisse Eingewöhnungszeit, bevor sie fehlerfrei bedient werden können. Selbst dann spielen sie einem gelegentlich „Streiche“ und führen zu einem Menü des digitalen Kombiinstruments, das eigentlich gar nicht ausgewählt werden sollte.
Unverändert geblieben sind glücklicherweise offenbar die Verarbeitungs- und Materialqualität. Erstere sorgt dafür, dass selbst auf schlechten Straßen kein Knarzen der Kunststoffteile zu hören ist. Letztere stellt sicher, dass große Bereiche des Innenraums mit Kunststoffen verkleidet sind, die sich angenehm anfühlen und hochwertig aussehen.
Volkswagen Arteon mit 2.0 TDI: ein vertrauter Antrieb
Zufällig hatte ich in letzter Zeit mehrere Fahrzeuge mit dem 2.0 TDI und 150 PS im Test. Neben dem Arteon fuhr ich auch den Skoda Superb und den SEAT Tarraco. Und je mehr Kilometer ich mit Fahrzeugen zurücklege, die diesen Motor nutzen, desto mehr schätze ich ihn.
Der Antrieb bietet genügend Durchzug und verbindet Verbrauch sowie Fahrleistungen auf überzeugende Weise. Im Volkswagen Arteon erlaubt er lange Strecken bei hohem Tempo, ohne dass man sich übermäßig um den Kraftstoffverbrauch oder den nächsten Tankstopp Gedanken machen muss.
Hier arbeitet der Motor mit einem Siebengang-DSG zusammen, das – wie bei diesen Getrieben des Volkswagen-Konzerns üblich – schnell und sanft schaltet. Diese Kombination „passt“ sehr gut zum langstreckentauglichen Charakter des Arteon.
Bei gleichmäßigem Autobahntempo von rund 120 km/h zeigte der Bordcomputer beispielsweise Durchschnittswerte zwischen 4,5 und 4,8 l/100 km an und prognostizierte eine Reichweite von mehr als 1000 km.
Auf einer gemischten Strecke mit Stadtverkehr, Autobahn und Landstraße lagen die Durchschnittsverbräuche dagegen zwischen 5 und 5,5 l/100 km. Erst als ich die dynamischen Fähigkeiten des Arteon intensiver auslotete, stieg der Wert über sechs Liter.
Apropos Dynamik: Der Volkswagen Arteon ist zwar nicht so interaktiv und unterhaltsam wie der BMW 420d Gran Coupé oder der Alfa Romeo Giulia, die beide über Hinterradantrieb verfügen. Dem gutmütigen Peugeot 508 steht er jedoch in nichts nach, und er vermittelt hinter dem Lenkrad mehr Begeisterung als der Toyota Camry.
Sein Fahrverhalten ist vor allem von Vorhersehbarkeit, Sicherheit und Stabilität geprägt. Damit ist er ein echter „Langstrecken-Cruiser“ für ausgedehnte Autobahnfahrten – jenes Umfeld, in dem sein Fahrkomfort besonders hervorsticht.
Ist der Volkswagen Arteon das richtige Auto für mich?
Der gut verarbeitete Volkswagen Arteon richtet sich mit seiner angenehm eigenständigeren und dynamischeren Optik gegenüber dem familienorientierteren Passat an Käufer, die mehr Stil wünschen, ohne bei familienfreundlicher Nutzung auf Praktikabilität und Vielseitigkeit zu verzichten.
Zudem bleibt er komfortabel und zeigt sich in Verbindung mit diesem 2.0 TDI mit 150 PS sehr sparsam.
Dieses Facelift verleiht dem Arteon weniger neue Argumente – davon hatte er bereits genügend –, sondern vor allem eine willkommene Aktualisierung. Das gilt insbesondere für den zunehmend wichtigen Bereich der Technik.
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