Zum Inhalt springen

Jaguar Land Rover: Elektrifizierung und Destination Zero

Weißes Jaguar Elektro-SUV an Ladestation in hellem Showroom vor großen Fenstern mit Pflanzen.

Das Versprechen stammte vom früheren Jaguar-Land-Rover-Chef Ralph Speth, der inzwischen von Thierry Bolloré abgelöst wurde: Bis Ende 2020 sollte das komplette Modellprogramm elektrifiziert sein. Dieses Ziel wurde erreicht: Zum Jahresende verfügt jedes Modell des Konzerns über eine elektrifizierte Variante – entweder als Plug-in-Hybrid oder zumindest als Mildhybrid.

Für einen Konzern, der zuvor stark von Dieselmotoren abhängig war – insbesondere Land Rover, wo mehr als 90 % der Verkäufe auf Selbstzünder entfielen –, ist dieser Wandel entscheidend, um sich den Herausforderungen der Zukunft zu stellen. Das gilt vor allem für die Senkung der CO₂-Emissionen.

Wer die vorgegebenen Ziele verfehlt, muss mit Strafen rechnen, die rasch hohe Summen erreichen. Jaguar Land Rover gehört ausgerechnet zu den Herstellern, die die auferlegten Grenzwerte nicht einhalten werden, und hat dafür bereits knapp 100 Millionen Euro zurückgestellt.

Plug-in-Hybride von Jaguar Land Rover unter Druck

Und das, obwohl die Plug-in-Hybridvarianten in nahezu allen Modellreihen in hohem Tempo eingeführt wurden. Abweichungen bei den CO₂-Emissionen der günstigeren und potenziell besonders gefragten Plug-in-Hybride Land Rover Discovery Sport P300e und Range Rover Evoque P300e machten jedoch einen Verkaufsstopp für beide Modelle sowie eine erneute Zertifizierung erforderlich. Dadurch blieb die Zahl der verkauften Fahrzeuge deutlich unter den ursprünglichen Erwartungen, was die Jahresbilanz belastete.

Trotz dieses kostspieligen Rückschlags blickt Jaguar Land Rover gelassen auf 2021 – auch wenn die Rechnung anspruchsvoller wird. Denn bis zum Ende des ersten Quartals sollen sämtliche Neuheiten erhältlich sein, die in den letzten Monaten des Jahres 2020 vorgestellt wurden.

Neben dem bereits genannten Land Rover Discovery Sport P300e und Range Rover Evoque P300e hat der britische Konzern den Range Rover Velar P400e, den Jaguar F-Pace P400e, den Jaguar E-Pace P300e und den Land Rover Defender P400e enthüllt. Sie ergänzen den bereits bekannten Range Rover und Range Rover Sport, die ebenfalls als P400e angeboten werden.

In Portugal

Der Staatshaushalt für 2021 (OE 2021) sorgte wegen der steuerlichen Vergünstigungen bei der autonomen Besteuerung von Hybriden und Plug-in-Hybriden ebenso für erhebliche Diskussionen wie wegen der auf diese Fahrzeuge angewendeten „Rabatte“ bei der ISV, der portugiesischen Fahrzeugsteuer.

Ab Januar müssen sämtliche Hybrid- und Plug-in-Hybridmodelle mehr als 50 km elektrische Reichweite bieten und CO₂-Emissionen von unter 50 g/km erreichen, um von den Vorteilen und dem geringeren ISV-Satz von bis zu -60 % zu profitieren. Für verschiedene Modelle, welche diese Vorgaben nicht erfüllen, könnte dies zusätzliche Schwierigkeiten im Verkauf bedeuten.

Bei Land Rover und Range Rover scheinen lediglich die größeren und teureren Modelle von den neuen Regelungen ausgenommen zu sein, konkret der Defender sowie Range Rover und Range Rover Sport.

Alle übrigen Fahrzeuge erfüllen die verschiedenen beschlossenen Voraussetzungen: Ihre Emissionen liegen unter 50 g/km, während die elektrische Reichweite von 52–57 km beim Jaguar F-Pace und Range Rover Velar bis zu 62–77 km beim Land Rover Defender Sport, Range Rover Evoque und Jaguar E-Pace reicht.

Destination Zero: Kreislaufwirtschaft und erneuerbare Energie

Die Verringerung der CO₂-Emissionen beschränkt sich nicht auf die zunehmende Elektrifizierung der Fahrzeuge selbst. Der Konzern erklärt, die CO₂-Emissionen seiner Fahrzeuge in den vergangenen zehn Jahren um 50 % gesenkt zu haben. Jaguar Land Rover verfolgt mit Destination Zero ein ganzheitliches Programm, das nicht nur CO₂-Neutralität anstrebt, sondern auch Unfälle und sogar … Staus auf null reduzieren will. Bei den beiden letztgenannten Zielen spielen vor allem die Fortschritte bei fortschrittlichen Fahrerassistenzsystemen eine zentrale Rolle, die schließlich zu vollständig autonomen Fahrzeugen führen sollen.

Um CO₂-Neutralität zu erreichen, setzt Jaguar Land Rover zunehmend Grundsätze der Kreislaufwirtschaft um. Das zeigt sich bei der Produktentwicklung, in der Wiederverwendung und Recycling an Bedeutung gewinnen. Parallel dazu kommen neue nachhaltige Materialien zum Einsatz, während zugleich Produktionsabfälle vermieden werden sollen.

Zu den konkreteren Maßnahmen gehört ein Aluminium-Recyclingprogramm, da dieses Material in vielen Modellen umfassend verwendet wird. Das Aluminium wird nicht nur aus Altfahrzeugen zurückgewonnen, sondern auch aus anderen Quellen wie Getränkedosen. Diese Nutzung ermöglicht eine Senkung der CO₂-Emissionen um 27 %. Auch beim Kunststoffrecycling gibt es Fortschritte: Durch eine Partnerschaft mit BASF lassen sich Kunststoffabfälle in hochwertiges Material umwandeln, das in künftigen Fahrzeugen eingesetzt werden soll.

Auch der Energiebedarf der Werke wird immer stärker durch erneuerbare Quellen gedeckt. Im Motorenwerk in Wolverhampton wurden beispielsweise 21.000 Solarmodule installiert. Zudem fertigt Jaguar Land Rover in Hams Hall bereits Batterien für die wachsende Zahl elektrifizierter Modelle.

Kommentare

Noch keine Kommentare. Sei der Erste!

Kommentar hinterlassen