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Bentley Supersports in Laguna Seca: Heckantrieb, 666 PS und fast eine halbe Tonne weniger

Dunkelgrüner Bentley Continental GT mit sportlichem Design und auffälligem Heckspoiler auf weißem Podest.

Heckantrieb, 666 PS und fast eine halbe Tonne weniger. Wir waren in Laguna Seca, um herauszufinden, wie grundlegend dieser Bentley Supersports seinen Charakter verändert hat.


Um ein Auto sportlicher zu machen, gibt es einige grundlegende Stellschrauben: mehr Leistung, bessere Möglichkeiten, diese zusätzlichen Pferdestärken auf die Straße zu bringen – durch Fahrwerk, Reifen und Aerodynamik – sowie weniger Gewicht.

Genau diesen Weg ist Bentley unter der Aufsicht seines neuen CEO Frank-Steffen Walliser gegangen. Er kam 2024 von Porsche und brachte die passenden Gene für den ersten Bentley mit, der unter seiner Führung für die britische Marke entwickelt wurde.

Und das ist deutlich spürbar.

Der leichteste Bentley seit 85 Jahren

Beginnen wir mit der Masse: Der Supersports ist der leichteste Bentley der vergangenen 85 Jahre. Gegenüber dem Continental GT Speed wiegt er fast eine halbe Tonne weniger und ist zugleich der erste straßenzugelassene Continental GT mit einem Gewicht von unter 2000 kg.

Den größten Anteil an dieser drastischen Diät hat der Antrieb. Weder ein Plug-in-Hybridsystem noch die für den Allradantrieb erforderlichen Komponenten sind an Bord. Das beim normalen Continental GT aus Aluminium gefertigte Dach wurde durch ein leichteres Bauteil aus Carbon ersetzt, das zusätzlich den Schwerpunkt absenkt.

Noch mehr Carbon für Aerodynamik und Gewicht

An der Schnittstelle zwischen Gewichtsersparnis und Aerodynamik stehen fast alle neuen Karosserieelemente, die aus Carbon gefertigt sind und einem gemeinsamen Zweck dienen. Laut Bentley wurde keines dieser Teile allein aus optischen Gründen angebracht.

Zusammen erzeugen diese Anbauteile bei 250 km/h mehr als 300 kg zusätzlichen Abtrieb gegenüber einem Continental GT Speed. Gleichzeitig tragen sie dazu bei, die bereits bei 54:46 zwischen Vorder- und Hinterachse liegende Gewichtsverteilung weiter zu optimieren.

Die untere vordere Stoßstange ist neu gestaltet und trägt einen Frontsplitter – den größten, der je an einem straßenzugelassenen Bentley montiert wurde. Zudem besitzt sie neue Kühlluftkanäle, welche die Temperaturen von Bremsen und Motor reduzieren sollen. Der neue Kühlergrill aus lasergeschnittenem Aluminiumgeflecht verfügt über ein exklusives Supersports-Design.

Hinter den Vorderrädern sitzen zusätzliche Luftleitprofile, hinzu kommen neue Seitenschweller, ein Heckdiffusor und ein feststehender Spoiler auf dem Kofferraumdeckel. Sämtliche Elemente sollen die Luftströmung um den Bentley Supersports verbessern.

Ein Helm, der für schnelle Fahrten auf der Rennstrecke vorgeschrieben ist, macht das Erlebnis stets etwas beengter und schränkt den direkten Blick auf das Cockpit ein. Dieses ist jedoch aus den übrigen Modellen der Continental-Familie weitgehend bekannt.

Materialauswahl und Verarbeitungsqualität im oberen Bereich des Armaturenbretts sowie an den Türen entsprechen den Erwartungen. Weniger überzeugend wirkt der gröbere Kunststoff der Mittelkonsole, auf der nahezu alle manuellen Bedienelemente untergebracht sind.

Dazu gehört auch der Drehschalter für die Fahrmodi. In einem Auto, das regelmäßig auf Rennstrecken eingesetzt werden dürfte und bei passenden Bedingungen zu dynamischer Fahrt auf öffentlichen Straßen einlädt, wäre seine Position am Lenkrad sinnvoller.

666 PS ausschließlich für die Hinterräder

Wie bereits erwähnt, wurde der größte Gewichtsvorteil beim Antrieb erzielt: Auf ein Plug-in-Hybridsystem wird verzichtet, ebenso auf Allradantrieb. Damit ist dies der erste straßenzugelassene Continental GT, der seine Kraft ausschließlich an die Hinterräder schickt.

Der 4,0-Liter-V8-Biturbo erhielt eine verstärkte Kurbelwelle, überarbeitete Zylinderköpfe und Turbolader, die für höheren Ladedruck ausgelegt sind. Das Ergebnis ist der Bentley-Motor mit der bislang höchsten Literleistung: 166,5 PS/l, bei insgesamt 666 PS und 800 Nm Drehmoment.

Gekoppelt ist er an das bekannte Achtgang-Doppelkupplungsgetriebe, das verstärkte Kupplungen und eine neue Schaltstrategie erhält. Die Gangwechsel erfolgen schneller, während den Herunterschaltungen beim Bremsen besondere Aufmerksamkeit gewidmet wurde, was ebenfalls der Stabilität des Supersports zugutekommt.

Der Motor atmet durch eine gemeinsam mit Akrapovič entwickelte Titan-Abgasanlage, deren Klang deutlich ausdrucksstärker ausfällt als bei jedem anderen Bentley.

Das Resultat: Den Sprint von 0 auf 100 km/h erledigt er in 3,6 Sekunden, die Höchstgeschwindigkeit beträgt 320 km/h.

Ein Fahrwerk für 666 PS

Das Drehmoment gelangt ausschließlich über ein elektronisch geregeltes Sperrdifferenzial (eLSD) an die Hinterräder; die Hinterachsspur ist dabei 16 mm breiter als beim Continental GT. Unterstützt wird das eLSD durch Bremsmomentverteilung, wobei beide Systeme gemeinsam Einlenkverhalten und Traktion verbessern sollen.

Die Hinterachslenkung bleibt für maximale Agilität und Stabilität erhalten. Lenkung, Fahrwerk, Traktionsmanagement und Stabilitätskontrolle wurden dagegen neu abgestimmt. Die Luftfederung erhält außerdem neue Zweikammerdämpfer mit unabhängig regelbarer Druck- und Zugstufe; das aktive 48-V-Wankstabilisierungssystem Bentley Dynamic Ride bleibt ebenfalls an Bord.

Neben einem Custom-Modus, der unterschiedliche Einstellungen kombinieren kann, stehen drei Fahrprogramme zur Verfügung. Touring entspricht in etwa dem Sport-Modus des Continental GT Speed, verbindet diesen aber mit größerer Bodenfreiheit, weicherer Dämpfung und einem zurückhaltenderen Auspuffklang. Der Bentley-Modus ist sportlicher ausgelegt und verändert Getriebestrategie, Gaspedalansprache und Fahrwerk.

Darüber steht Sport als radikalste Einstellung. In diesem Modus öffnen die Klappen der Abgasanlage, Launch Control wird verfügbar und die Karosserie senkt sich um 10 mm ab. Damit werden Reaktionen von Fahrwerk und Antriebsstrang maximal geschärft.

Für die Verzögerung sorgt laut Bentley die größte Bremsanlage, die jemals in einem Auto eingesetzt wurde: Carbon-Siliziumkarbid-Scheiben mit 440 mm Durchmesser vorne und Zehnkolben-Bremssätteln sowie 410 mm große Scheiben hinten mit Vierkolben-Bremssätteln.

Die neuen 22-Zoll-Räder aus geschmiedetem und bearbeitetem Aluminium entstanden gemeinsam mit Manthey Racing. Mit den optionalen Pirelli Trofeo RS nennt Bentley bis zu 1,3 g Querbeschleunigung und erklärt, dass der Supersports Kurven rund 30% schneller durchfahren kann als ein Continental GT Speed.

Runden in Laguna Seca mit dem Bentley Supersports

Dann ging es auf die Strecke von Laguna Seca nahe der Monterey Bay, wo bis zum Vortag die Monterey Car Week stattgefunden hatte. Der Kurs ist 3,6 km lang und besitzt 11 Kurven, von denen einige ausgesprochen anspruchsvoll sind – insbesondere die berühmte Corkscrew. Bei der Einfahrt in diese steile Abfahrt ist sie völlig blind; ein Pinienbaum am Horizont dient als einer der Orientierungspunkte für das Einlenken.

Schon am Ende der Start-Ziel-Geraden zeigt sich, dass der Supersports mit seiner enormen Bremsleistung und dem drastisch reduzierten Gewicht beim Verzögern ebenso beeindruckt wie beim Beschleunigen. Das ist keine Selbstverständlichkeit bei einem Auto, das in nur 3,6 Sekunden auf 100 km/h schießt.

Das Getriebe reagiert im Supersports sportlicher, schaltet später hoch und früher herunter – vor allem im Sport-Modus. Dort nimmt auch der V8 einen tieferen und präsenteren Klang an.

Das Vertrauen wächst mit jeder der wenigen möglichen Runden, weil die Bremsen mit enormer Kraft zupacken. Ebenso trägt der gewaltige Grip der Pirelli Trofeo RS dazu bei.

Wie sich die Federung auf schlechtem Straßenbelag verhält, ließ sich nicht beurteilen, da keine Fahrt auf öffentlichen Straßen vorgesehen war. Klar wird aber, dass die Abstimmung ausgesprochen straff ist und seitliche Karosseriebewegungen sehr effektiv kontrolliert werden.

Auch wenn die Stabilitätskontrolle aufgrund einer von Bentley vorgegebenen Einschränkung nicht vollständig deaktiviert werden konnte, wird deutlich, dass das Heck mehr „Leben“ zeigt als beim allradgetriebenen Continental GT Speed. Es lädt in Kurven zu mehr Fahrspaß ein.

Zugleich lässt sich erahnen, dass der sehr gute Grip an der Vorderachse seinen Teil dazu beitragen wird, mit weiter gelockerten elektronischen Systemen noch intensiver mit diesem Supersports zu spielen. Diese Einschätzung muss jedoch bis zu einem anderen Tag warten – ebenso wie die Frage, wie gut diese radikalere Abstimmung funktioniert, wenn der makellose Asphalt von Laguna Seca gegen eine normale Straße getauscht wird.

Ab welchem Preis?

Der Bentley Supersports wird auf 500 nummerierte Exemplare limitiert, die bereits sämtlich reserviert sind. Die ersten Auslieferungen sind für 2027 vorgesehen.

In Portugal dürfte der Preis bei etwa 650.000 Euro beginnen. Dieser Betrag wird durch die dortige Zulassungssteuer ISV erheblich erhöht, eine Folge der hohen Emissionen dieses V8 ohne jede Elektrifizierung. Zum Vergleich: In Spanien liegt der Preis um mehr als 200.000 Euro niedriger.

Urteil

Technische Daten

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