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Variable Tempolimits: Das kaputte Volk auf britischen Autobahnen

Straße mit bewegtem weißen Lieferwagen und feststehendem Blitzer bei bewölktem Himmel am Nachmittag.

Inszenierung bei Fahrzeugpremieren

Autopremieren sind eigenartige, aber zugleich faszinierende Veranstaltungen. An spektakulären Orten liefern sich PR-Verantwortliche und Journalistinnen und Journalisten ein angespanntes taktisches Duell. Von der gewählten Fahrstrecke über die Tischordnung beim Abendessen bis zur gewünschten Wahrnehmung des Autos wird alles akribisch vorbereitet. Bestimmte Sätze tauchen dabei zuverlässig immer wieder auf, um die Kernbotschaft bei der Motorpresse fest zu verankern.

Manchmal bieten solche Reisen allerdings mehr Freiraum. Mir fällt sofort eine Veranstaltung aus dem Jahr 2004 ein: Als geschniegelt wirkender Zwölfjähriger wurde ich zur Präsentation des „Vauxhall“ Monaro nach Australien geflogen. Der umbenannte Holden mit seinem 5,7-Liter-V8 und seinem ansteckenden australischen Humor brauchte kaum eine besondere Positionierung. Vauxhall rechnete nur mit geringen Stückzahlen, wollte aber etwas Cooles im Ausstellungsraum stehen haben. Die Bitte, das offizielle Programm rund um Melbourne zu verlassen, über Bathurst zu fahren und das Auto schließlich in Sydney abzugeben, wurde binnen Sekunden akzeptiert.

Die Reise war, gelinde gesagt, großartig. Dennoch nahm ich eine ernüchternde Erkenntnis mit nach Hause: Australien war eine kaputte Nation. Die Flut an Geschwindigkeitskameras und die aufdringliche Botschaft „Geschwindigkeit ist böse und führt unweigerlich zum Tod“ hatten dafür gesorgt, dass sich alle um jeden Preis an absurd vorsichtige Tempolimits hielten. Diese herrlichen V8 fuhren auf breiten, perfekt asphaltierten und kaum befahrenen Autobahnen 109 km/h – und auf Landstraßen noch deutlich langsamer, selbst dort, wo praktisch keine Menschen anzutreffen waren.

Variable Tempolimits auf britischen Autobahnen

Nun, ein paar Jahrzehnte später, hat das Vereinigte Königreich genau diesen deprimierenden Zustand erreicht. Das dichte Kameranetz, der völlige Mangel an Ermessensspielraum, die nahezu nicht mehr vorhandene Verkehrsüberwachung durch echte Menschen und die merkwürdigen, widersprüchlichen „variablen Tempolimits“, die offenbar ausschließlich darauf ausgelegt sind, Autofahrende hereinzulegen, haben unsere Autobahnen in einen gedankenlosen Verkehr mit 108 km/h verwandelt. Niemand ist bereit, die Spur freizumachen. Niemand achtet auf etwas anderes als auf Wechselverkehrszeichen, die willkürlich und ohne erkennbaren Grund „80“ anzeigen könnten. Auch wir sind ein kaputtes Volk geworden.

Gerade bin ich von einer Wochenendfahrt zum Flughafen Heathrow zurück. Es war Sonntagmorgen, warm und trocken. Trotzdem durfte ich auf rund 56 km nur 80 km/h fahren. An einer Stelle zeigten aufeinanderfolgende Schilder 80, 97, 80, 80, 97, 97, 80. Am fünften Schild erschien zusätzlich der Hinweis „Meldung über ein Hindernis“. Ein Hindernis gab es nicht. Frustrierend? Ja. Hätte ich das Limit jedoch überschritten, wären ein Bußgeld und drei Punkte die Folge gewesen – obwohl das Tempolimit für ein erfundenes Szenario gesetzt worden war.

Sinnvolle Geschwindigkeitsbegrenzungen statt Dauerüberwachung

Grundsätzlich bin ich für Kontrollen und vernünftige, nachvollziehbare Tempolimits. Doch wir haben uns an immer strengere Beschränkungen gewöhnt, von denen viele offenbar weder auf Logik noch auf Daten beruhen. Die Diskussion über Geschwindigkeit ist kompliziert, denn der Satz „Ich möchte schneller fahren“ klingt egoistisch und taugt kaum als Grundlage für ein differenziertes Gespräch. Der natürliche Endpunkt unseres gegenwärtigen Kurses sind jedoch flächendeckende Limits von 32 km/h und Millionen im Grunde verantwortungsbewusster Menschen, die wie Ausgestoßene behandelt werden. Regierung sollte doch auf Zustimmung beruhen, oder? Bei Fahrzeugpremieren weiß ich, wie man gegen die PR-Maschinerie wettert – aber wie lässt sich dieses nationale Problem vernünftig angehen? Antworten bitte auf einer Postkarte ...

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