Es muss doch einen Ausdruck geben, der exakt beschreibt, was ich – und vermutlich der Grossteil der Bevölkerung – für professionelle Rallyefahrer empfinde. Eine widersprüchliche Mischung aus tiefstem Respekt und dem hartnäckigen Verdacht, dass beim Verkabeln ihrer Gehirne ein paar Bauteile auf der Werkbank liegen geblieben sind. Die Deutschen haben dafür bestimmt ein Wort.
Moderne Rallyes faszinieren mich, und insbesondere die Rallye Monte Carlo ist in meinem Haushalt ein jährlich unverhandelbares Recht auf die Fernbedienung. Doch genauso wenig wie man seinen ersten Kuss oder den ersten Löffel Sticky Toffee Pudding vergisst, vergisst man das erste Rallyeauto, in das man sich verliebt hat. Bei mir war das der Lancia Delta HF Integrale mit seinen unverwechselbaren Martini-Racing-Streifen. Zu meinen frühesten automobilen Erinnerungen zählt das Bild dieses kämpferischen italienischen Kompaktwagens, der bei der Schweden-Rallye über eine verschneite Schneewehe springt. Für mich war Lancia Rallye.
Lancia und die Rallye: eine mehr als 30-jährige Pause
Das ist eigentlich ironisch, denn schon kurz darauf, 1992, hatte Lancia mit Rallye überhaupt nichts mehr zu tun. Die Marke zog sich ohne viel Aufhebens komplett aus dem Sport zurück und trat mehr als 30 Jahre lang nicht wieder an. In diesen drei Jahrzehnten bin ich deutlich grösser und deutlich hässlicher geworden und habe mit Entsetzen zugesehen, wie die Haare auf meinem Kopf zu wandern begannen.
Während dieser langen Auszeit halfen zumindest Videospiele dabei, den Mythos des Delta HF Integrale zu festigen. Besonders wichtig war der Arcade-Klassiker Sega Rally von 1994, in dem Lancias kleiner, handlicher Delta gegen den schnelleren, aber sperrigeren Toyota Celica antrat. In einer kurzen, glorreichen Phase Mitte der 1990er-Jahre stand an jedem britischen Pier, von Blackpool bis Bognor, ein quer fahrender und Kies aufwirbelnder Lancia.
Lancias Rückkehr zur Rallye mit dem Ypsilon HF
Vor diesem Hintergrund möge man mir nachsehen, dass mich Lancias lang erwartete Rückkehr in den Rallyesport 2025 ein klein wenig begeistert. Kürzlich erprobte die Marke ihren Ypsilon HF Rally2 für die Rally2-Meisterschaft des kommenden Jahres, dem Formel-2-Pendant der WRC. Glücklicherweise wirkt er erheblich entschlossener als der Ypsilon der vorherigen Generation für die Strasse, der bewies, dass selbst die normalerweise stilsicheren Italiener im Designstudio einmal einen schlechten Tag haben können.
Als wäre das nicht schon Anlass genug, eine Flasche trockenen Wermut der bevorzugten Marke zu öffnen, kommt auch ein Rallye-Lancia für Menschen, die keinen lukrativen Sponsoringvertrag für alkoholische Getränke besitzen. Der neu angekündigte Ypsilon HF Racing für €40k ist ein homologiertes Rally6-Auto mit Frontantrieb. Er soll absolute Neueinsteiger für den Sport gewinnen und ist passend zu diesem Ziel bepreist.
Der Motor leistet zwar nur 145bhp, steckt jedoch in einem echten Wettbewerbschassis. Dazu gehören typische Rallye-Zutaten wie ein kurz übersetztes Getriebe, ein mechanisches Differenzial und ein vollständiger Überrollkäfig. Das Beste daran: Er steht auf einfachen Stahlfelgen, genau wie ein alter Peugeot 106 Rallye.
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