Wenn von Ferrari entwickelten Motoren die Rede ist, denkt man an legendäre grosse V12- oder V8-Aggregate, jedoch kaum an kompakte Dreizylindermotoren: Der Tipo F134 bildet die Ausnahme.
Der Tipo F134 entstand in den 1990er-Jahren. Zwar ist man sich (fast) sicher, dass Ferrari nicht vorhatte, einen Dreizylinder auf den Markt zu bringen – und das rund zwei Jahrzehnte, bevor solche Motoren verbreitet wurden –, doch dieses Triebwerk wurde letztlich entwickelt, um neue technische Lösungen zu erproben und zu validieren.
Dafür muss nicht ein vollständiger Motor gebaut werden, sondern nur ein Teil davon. Genau das erklärt den Tipo F134: Er entsprach der Hälfte des eigentlich vorgesehenen V6.
Das Innovative an diesem nur 1,3 l grossen Dreizylinder war sein Konzept als Zweitaktmotor mit Kompressor.
Zweitaktmotor als technisches Versuchsfeld
Zweitaktmotoren werden eher mit Motorrädern als mit Autos verbunden, obwohl sie auch in Automobilen eingesetzt wurden. Sie bringen zahlreiche Vorteile mit: Sie sind kompakter, leichter und einfacher aufgebaut und können thermisch effizienter sein als die Viertaktmotoren in unseren Autos.
Einer der wichtigsten Gründe für ihr „Verschwinden“ – selbst bei Motorrädern – ist allerdings ihr Schadstoffausstoss. Verantwortlich dafür sind vor allem das Kraftstoff-Öl-Gemisch, das sie speist, sowie Kraftstoffverluste ausserhalb des optimalen Betriebsbereichs.
In den 1990er-Jahren erwachte das Interesse der Automobilindustrie am Zweitaktmotor jedoch erneut, und mehrere Hersteller investierten in dessen Weiterentwicklung. Wie sich zeigt, untersuchte auch Ferrari mit dem Tipo F134 diese mögliche Weiterentwicklung des Verbrennungsmotors.
Ferrari Tipo F134: geballte Raffinesse
Im untenstehenden Video von Drivetribe wird der Ferrari Tipo F134 nun genauer vorgestellt.
Der bekannte Moderator Mike Fernie präsentiert diese Rarität und erläutert, wie weit Ferrari bei der Verringerung oder Beseitigung der typischen Nachteile von Zweitaktmotoren bereits war.
So verfügte der kleine Dreizylinder bereits über eine Mehrpunkteinspritzung statt über einen Vergaser. Obwohl Zweitaktmotoren sie nicht benötigen, besass er zudem Auslassventile, die von einer Nockenwelle betätigt wurden.
Kompressor, Leistung und der geplante V6
Ein entscheidender Baustein, damit der „neu erfundene“ Zweitakter die Leistungs- und Emissionsziele erreichen konnte, war der Kompressor. Er erhöhte nicht nur die angesaugte Luftmenge, sondern war auch entscheidend dafür, die Abgase auszuspülen und damit die Verbrennungseffizienz zu steigern.
Der Tipo F134 leistete 130 PS – bei 1,3 l Hubraum also 100 PS/l. Für den angestrebten V6 hätte dies 260 PS bedeutet: 2,6 l Hubraum, also zwei 1,3-l-Zylinderbänke in V-Anordnung.
Selbst damals waren das keine aussergewöhnlichen Werte, zumindest nicht für einen Supersportwagen. Der Ferrari F40 mit seinem 2.9-V8-Biturbo erreichte 162,8 PS/l.
Das verleiht den Gerüchten Glaubwürdigkeit, wonach Ferrari eine Version des Tipo F134 mit Turbolader untersucht haben soll. Die Leistung wäre dadurch auf 216 PS gestiegen, entsprechend 166 PS/l oder – erneut auf den V6 hochgerechnet – 432 PS.
Wie die Geschichte zeigt, wurde der Tipo F134 nie zu einem Serienmotor. Doch in einer Zeit, in der sogar der technische Direktor der Formel 1 die Möglichkeit ansprach, dass die Rennserie auf Zweitaktmotoren mit ähnlichen Lösungen wie bei diesem Dreizylinder zurückgreifen könnte, stellt sich die Frage: Könnte Ferrari die bei seiner Entwicklung gewonnenen Erkenntnisse wieder aus der Schublade holen?
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