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Gebrauchte Elektroautos in Portugal: Die Nachfrage wächst schneller als das Angebot

Drei Personen stehen an Elektroautos an Ladestationen in einer Straße mit Wohnhäusern im Hintergrund.

Vor zwei Jahren waren von jeweils 100 in Portugal verkauften Gebrauchtwagen weniger als sieben elektrisch. Heute sind es mehr als 16. Dieses Wachstum ließe sich leicht mit der steigenden Zahl von Elektroautos im Gebrauchtwagenmarkt erklären. Die Daten zeichnen jedoch ein anderes Bild.

Im Juli 2024 entfielen 6,67 % der Verkäufe auf Elektroautos. Im Juli dieses Jahres stieg ihr Anteil laut dem aktuellen Market Watch von INDICATA, der Gebrauchtwagenmarkt-Analyseplattform von Autorola, auf 16,35 %.

Der Bestand wuchs nicht im gleichen Tempo. Elektroautos machen derzeit nur 12,33 % aller verfügbaren Gebrauchtwagen aus. Ihr Verkaufsanteil liegt damit vier Prozentpunkte über ihrem Anteil am Bestand. Das zeigt: Die Nachfrage nach gebrauchten Elektroautos nimmt schneller zu als das Angebot.

Was hat sich bei gebrauchten Elektroautos verändert?

Der Bericht nennt zunächst den offensichtlichsten Grund: den Preis. In den vergangenen Jahren haben gebrauchte Elektroautos deutlich an Wert verloren. In Portugal liegt der von INDICATA berechnete Einzelhandelspreisindex inzwischen bei 77,30 % des Referenzwerts vom Januar 2020.

Nach Einschätzung der Studie hat diese Korrektur Elektroautos in eine Preisklasse gebracht, die erheblich mehr Käufer anspricht. Das Fazit von INDICATA ist eindeutig: Der Markt wuchs nicht, weil die wirtschaftlichen Einschränkungen der Portugiesen verschwunden wären, sondern weil gebrauchte Elektroautos „ihren Preis gefunden haben“.

Roberto Gaspar, Generalsekretär des nationalen Verbands der Unternehmen für Automobilhandel und -reparatur (ANECRA), kommt gegenüber Razão Automóvel bei seiner Auswertung derselben Daten zu einer ähnlichen Einschätzung.

„Die Verbraucher lehnten diese Technologie nicht ab; sie lehnten vielmehr Preise ab, die sie nicht für angemessen im Verhältnis zum Produktwert hielten.“

  • Roberto Gaspar, Generalsekretär der ANECRA

Nach Ansicht von Roberto Gaspar reagierte die Nachfrage „sehr schnell“, sobald der Kaufpreis wettbewerbsfähiger wurde und der wirtschaftliche Vorteil eines Elektroautos wieder deutlich erkennbar war.

Auch der Neuwagenmarkt hat zu dieser Entwicklung beigetragen. Der Bericht verweist auf hohe Rabatte bei einigen neuen Elektroautos sowie auf öffentliche Förderungen. Je niedriger der Preis eines Neuwagens ausfällt, desto größer muss der Preisnachlass beim Gebrauchtwagen sein, damit dieser weiterhin attraktiv bleibt.

Das setzt die Restwerte unter Druck, machte viele gebrauchte Elektroautos jedoch deutlich erschwinglicher.

Kraftstoffpreise sorgten für zusätzlichen Schub

Als zweiten Faktor identifiziert INDICATA den kräftigen Anstieg der Kraftstoffpreise. Die wachsenden Spannungen zwischen den USA, Israel und Iran belasten den Ölmarkt seit März. In Portugal war der Effekt besonders beim Diesel ausgeprägt: Im April erreichte er mit einem Durchschnittspreis von 2,145 €/l einen historischen Höchststand (Quelle: DGEG).

Dieser Anstieg verstärkte laut INDICATA den Kostenvorteil von Elektroautos im Betrieb. Der Bericht betont jedoch eine wichtige Einschränkung: Nicht die höheren Kraftstoffpreise haben diesen Trend ausgelöst, sie beschleunigten ihn lediglich.

Die Verkaufsdauer von Elektroautos war bereits Monate zuvor kürzer geworden. Zur Messung dieser Entwicklung verwendet INDICATA den Market Days Supply (MDS). Dieser Indikator schätzt, für wie viele Tage der verfügbare Fahrzeugbestand bei gleichbleibendem Verkaufstempo ausreichen würde.

Im Sommer 2024 lagen Elektroautos noch über 115 Tagen. Im Herbst 2025 bewegten sie sich weiterhin bei etwa 100 Tagen. Im April dieses Jahres waren es bereits nur noch 69 Tage, im Mai 57 und im Juli schließlich 55 Tage. Damit weisen sie derzeit unter allen in Portugal untersuchten Antriebsarten die schnellste Bestandsrotation auf.

Können die Preise wieder steigen?

An dieser Stelle warnt Roberto Gaspar: „Es wäre ein Fehler, diesen Trend als unumkehrbar zu betrachten.“ Seiner Analyse zufolge sucht der Markt für gebrauchte Elektroautos noch nach einem Gleichgewicht. Nach dem starken Preisrückgang zog die Nachfrage rasch an. Sollte sie weiterhin schneller wachsen als das Angebot, könnte erneut Preisdruck entstehen.

Das bedeutet nicht zwangsläufig, dass gebrauchte Elektroautos teurer werden. Der Bericht erinnert daran, dass sie weiterhin stark von den Preisen neuer Fahrzeuge, den Rabatten der Marken und der schnellen technologischen Entwicklung abhängen.

Für Verkäufer verschiebt sich allerdings das Problem. Laut INDICATA liegt das Risiko nicht mehr in erster Linie darin, wie lange diese Fahrzeuge im Bestand stehen. Entscheidend werden vielmehr der Einkaufspreis und der Wert, zu dem sie später wieder verkauft werden können.

Portugal ist kein Einzelfall

Das Phänomen beschränkt sich auch nicht auf Portugal. In Dänemark etwa stehen Elektroautos für 54,72 % der Gebrauchtwagenverkäufe, aber nur für 40,34 % des Bestands. In Finnland entfallen 22,09 % der Verkäufe auf sie, gegenüber 20,45 % des Angebots. Auch Deutschland und Frankreich verzeichnen einen Verkaufsanteil von Elektroautos, der über ihrem Anteil im Bestand liegt.

Es gibt jedoch Ausnahmen. In Spanien machen Elektroautos weiterhin einen größeren Anteil am Bestand als an den Verkäufen aus.

Deshalb unterstreicht INDICATA selbst, dass es keine einheitliche europäische Realität gibt. Dennoch zeigt sich in mehreren Märkten ein gemeinsames Muster: Nach kräftigen Preiskorrekturen finden gebrauchte Elektroautos wesentlich leichter Käufer.

Für Roberto Gaspar könnte dieses Wachstum noch eine wichtigere Folge haben. Vor allem über den Gebrauchtwagenmarkt könne elektrische Mobilität, so seine Einschätzung, für einen deutlich größeren Teil der Familien erschwinglich werden.

Bei Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor war dies jahrzehntelang der Fall. Die jüngsten Daten deuten darauf hin, dass Elektroautos nun möglicherweise denselben Weg einschlagen.

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