Während im ganzen Land über die Sonnenfinsternis gesprochen wurde, konnten wir uns in der Redaktion von Razão Automóvel kaum dagegen wehren, an ihr automobiles Namensvetter zu denken: den Mitsubishi Eclipse. Auch seine Wurzeln sind mit der Zeit und dem Wandel des Marktes zunehmend in den Hintergrund gerückt.
Als wir über den Eclipse nachdachten, bedauerten wir letztlich ebenso sehr die Entwicklung dieses Namens wie die Seltenheit totaler Sonnenfinsternisse. Nach dem heutigen Ereignis müssen wir bis 2144 auf das nächste warten – und einen Mitsubishi Eclipse so zu finden, wie wir ihn kannten, wird ebenfalls immer schwieriger.
Als der Mitsubishi Eclipse 1989 auf den Markt kam, bedurfte er keiner langen Erklärung. Er war ein flaches zweitüriges Coupé mit klar asiatisch geprägter, sportlicher Linienführung und richtete sich an alle, die etwas Besonderes wollten, ohne in die Preisklasse unerschwinglicher Sportwagen vorzudringen.
An Konkurrenz mangelte es ihm damals keineswegs. Während sich die wenigen noch verbliebenen Coupés heute an den Fingern beider Hände abzählen lassen, hatte Ende der 1980er- und während eines grossen Teils der 1990er-Jahre nahezu jede Marke ein solches Modell im Programm.
Aus Japan kamen neben dem Eclipse Modelle wie der Nissan 200SX, der Toyota Celica und der Honda Prelude. In Europa gab es zusätzlich zum unvermeidlichen deutschen Dreigestirn Angebote wie den Opel Calibra oder den Volkswagen Corrado. Es war eine Zeit, in der der Kauf eines Coupés nicht zwangsläufig als exotische Entscheidung galt.
Über vier Generationen hinweg veränderte der Eclipse seine Form, seine Motoren und sogar seinen Charakter. Doch das Entscheidende blieb erhalten: Er war weiterhin ein Coupé.
Es gab Varianten mit Front- oder Allradantrieb sowie Saug- und Turbomotoren. Ein Supersportwagen war er nicht, und das wollte er auch nie sein. Sein Reiz lag gerade darin, ein vergleichsweise erschwingliches Coupé zu sein, dessen Auftritt Blicke auf sich zog.
Der Mitsubishi Eclipse als Filmstar
Obwohl er sich in den 1990er-Jahren bereits viele Fans erspielt hatte, sicherte sich der Mitsubishi Eclipse seinen festen Platz unter den Petrolheads erst zu Beginn des 21. Jahrhunderts – dank der Tuning-Kultur, Videospielen und dem Kino.
Wer erinnert sich nicht an den grünen Eclipse von Brian O’Conner, der von Paul Walker gespielten Figur im ersten Film der Fast-&-Furious-Reihe? Oder daran, ihn nach dem Kinobesuch in Spielen wie Need for Speed zu fahren?
Plötzlich wurde aus dem Coupé, das ursprünglich einen relativ bezahlbaren Einstieg in die Welt der Sportwagen bieten sollte, für eine ganze Generation einer der ersten Helden der Automobilkultur.
Auch der Auftritt eines Eclipse Spyder, der Cabriolet-Version, in 2 Fast 2 Furious, dem zweiten Film der Reihe, stärkte den Starstatus des Modells zusätzlich. Doch Zeiten ändern sich – und Märkte ebenso.
Als die Produktion der vierten Generation 2011 endete, verschwand der Eclipse ohne grosses Aufsehen von der Bühne. Für einige Jahre war der Name von den Strassen verschwunden, und alles deutete darauf hin, dass seine Geschichte vorbei war. Doch das war sie nicht.
Eine neue Art, Eclipse zu sein
2017 holte Mitsubishi den Namen zurück, um den Eclipse Cross zu taufen. Das zweite Wort erklärte alles: Der Eclipse war nun ein Crossover.
Darin konnte man kaum etwas anderes als ein Zugeständnis an die neue Zeit sehen. Coupés zogen sich zurück, SUVs gewannen an Bedeutung, und ein bekannter Name behielt seinen Wert – selbst wenn er auf einem Auto stand, das mit den früheren Eclipse nur wenig gemeinsam hatte.
Seither ist der Abstand nur noch grösser geworden. Der Name Eclipse erschien auf Plug-in-Hybriden und zuletzt auch auf Elektroautos. In Europa steht er nun beim Eclipse Cross EV, der vom Renault Scenic E-Tech Electric abgeleitet ist. In Nordamerika bezeichnet er den Eclipse Sportback EV auf Basis des Nissan Leaf.
An dieser Entwicklung ist nichts besonders Ungewöhnliches. Mitsubishi tut, was viele andere Marken ebenfalls tun: Das Unternehmen passt sich dem Markt an und nutzt Namen mit Geschichte. Die Entscheidung zu verstehen, bedeutet allerdings nicht, sie gut finden zu müssen.
Denn Eclipse steht für viele von uns noch immer für etwas anderes: zwei Türen, eine flache Karosserie und das Versprechen, dass auch ein relativ erschwingliches Auto etwas Besonderes sein kann.
Heute ist es beinahe so selten geworden, einen solchen Mitsubishi Eclipse zu entdecken, wie das Phänomen, das uns zu diesen Zeilen inspiriert hat.
Deshalb wissen wir genau, welcher unser Favorit ist – zwischen der Sonnenfinsternis, die heute den Himmel durchquert, und all den Eclipse, die einst auf den Strassen unterwegs waren. Und für diesen brauchen wir nicht einmal eine Spezialbrille.
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