Zum Inhalt springen

Volkswagen Käfer: Die sieben Klassiker aus einer brasilianischen Zeitkapsel

Weißer Volkswagen Käfer Oldtimer in einer modernen Ausstellungshalle mit weiteren Fahrzeugen im Hintergrund.

Diese Geschichte dreht sich um den Volkswagen Käfer – in Brasilien besser als Fusca bekannt – und zwar gleich um mehrere Käfer. Es ist eine jener Geschichten, die wir gern zugeschickt bekommen und ebenso gern weitererzählen.

Dafür müssen wir ins Jahr 2002 zurückgehen: Damals schloss Comercial Gaúcha, ein Volkswagen-Händler in Estrela im brasilianischen Bundesstaat Rio Grande do Sul, seine Türen. Obwohl das Autohaus nicht mehr betrieben wurde, blieb sein Zustand über viele Jahre hinweg makellos – vollständig bewahrt wie eine Zeitkapsel.

Verantwortlich für diese Zeitkapsel war Otmar Essig, der Eigentümer von Comercial Gaúcha. Er erhielt die Räumlichkeiten und den gesamten Bestand über Jahre so, als wäre der Betrieb weiterhin für Kunden geöffnet – gewissermaßen als Hobby. Im Inneren des Autohauses verbargen sich einige besondere Schätze.

Volkswagen Käfer mit praktisch null Kilometern

Natürlich handelte es sich ausschließlich um Volkswagen aus dem vergangenen Jahrhundert. Die Käfer beziehungsweise Fuscas weisen bis heute null Kilometer auf – nun ja, nahezu null Kilometer. Die rund 10 Kilometer auf den Tachos entstanden bei der Testfahrt, die jedes Fahrzeug nach dem Verlassen des Montagebands im Werk absolvierte.

Damit wird deutlich: Obwohl das Autohaus erst 2002 seinen Betrieb einstellte, standen diese Käfer bereits seit vielen Jahren unberührt dort.

Besonders hervorzuheben ist ein „Fusca Última Série“ aus dem Jahr 1986. Es handelt sich um Fahrzeug Nummer 625 einer auf 850 Exemplare limitierten Serie, mit der die Produktion dieses Modells endete – jeweils eines für jeden damaligen Volkswagen-Händler in Brasilien.

Zehn Jahre später brachte der damalige brasilianische Präsident Itamar Franco Volkswagen jedoch dazu, die Fertigung des ikonischen Modells wieder aufzunehmen. Dafür wurden einige steuerliche Vergünstigungen eingeführt, wodurch die Série Ouro „Itamar“ entstand.

Genau zwei Exemplare dieser Série Ouro von 1996 mit identischer Ausstattung wurden im Inneren von Comercial Gaúcha entdeckt. Auf den Sitzen befanden sich noch die Schutzfolien, während die Karosserien weiterhin mit dem Wachs überzogen waren, das den Lack vor der Auslieferung an Kunden schützen sollte. Sogar die Werksaufkleber sind noch vorhanden.

Weitere Raritäten im Bestand

Neben diesen drei Fahrzeugen standen dort auch ein Volkswagen Santana Quantum 2.0 Evidence von 1996 mit 22 gefahrenen Kilometern sowie ein ungewöhnlicher Volkswagen SP2 von 1975, der etwas mehr als achttausend Kilometer zurückgelegt hat. Letzterer trägt nicht mehr seine ursprüngliche dunkelbraune Lackierung, sondern Silbermetallic – eine Farbe, die Herrn Otmar Essig besser gefiel.

Das Ensemble aus sieben Fahrzeugen komplettieren ein Volkswagen Kombi als Pritschenwagen sowie ein weiterer „Fusca“. Letzterer war Essigs Privatwagen, der inzwischen mehr als 83.000 km aufweist und bis 2017 genutzt wurde. In diesem Jahr konnte er die Räumlichkeiten aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr aufsuchen. Fünf Jahre später, 2022, verstarb er.

Danach entschied sich die Familie, die Fahrzeuge und den übrigen Bestand zu verkaufen, allerdings stets sehr zurückhaltend. Heute sind sämtliche Modelle bei FuelTech in Porto Alegre ausgestellt und stehen im Mittelpunkt verschiedener Veranstaltungen sowie von Besuchen durch Enthusiasten.

Welche Zukunft erwartet die sieben Klassiker?

Nach den verfügbaren Informationen sollen die sieben Automobile zunächst bei FuelTech in Porto Alegre bleiben. Dort werden sie ausgestellt und erhalten einige Wartungsarbeiten.

Entscheidend ist dabei, ihren Erhalt sicherzustellen und den ursprünglichen Zustand der Fahrzeuge zu bewahren – ganz im Sinne von Otmar Essig. Obwohl keines der Autos gefahren wurde, ließ Essig bei allen Fahrzeugen weiterhin sämtliche vorgesehenen Wartungen und Ölwechsel durchführen.

Die beiden „Fuscas“ der Série Ouro Itamar befanden sich bei ihrer Entdeckung sogar in einem Raum mit zugeschweißten Türen und waren vor Sonnenlicht geschützt. Deshalb präsentieren sie sich neuwertig und funktionieren problemlos, wie im Video von Anderson Dick zu sehen ist. Der Eigentümer von FuelTech war einer der Beteiligten dieser Geschichte.

In einigen Wochen werden die sieben Fahrzeuge an ihren neuen Eigentümer geschickt: einen in den Vereinigten Staaten lebenden Brasilianer, der eine Sammlung von Supersportwagen und weiteren historischen Fahrzeugen besitzt.

Kommentare

Noch keine Kommentare. Sei der Erste!

Kommentar hinterlassen