Wie du dich vielleicht erinnerst, hatte Guilherme Costa vor einiger Zeit den SEAT Tarraco mit dem 1.5 TSI und 150 PS getestet und dabei die Frage aufgeworfen, ob dieser Benzinmotor den 2.0 TDI mit gleicher Leistung verdrängen kann – normalerweise die Standardwahl bei einem großen SUV wie dem Tarraco.
Um sämtliche verbliebenen Zweifel endgültig auszuräumen, haben wir den SEAT Tarraco nun mit dem … 2.0 TDI und 150 PS getestet, selbstverständlich.
Gilt die „Tradition“ noch immer, und ist dies der ideale Motor für das SUV und Spitzenmodell von SEAT? Genau dieser Frage gehen wir in den folgenden Zeilen nach.
Lohnt sich ein Diesel noch?
Wie Guilherme bereits im Test des Tarraco 1.5 TSI erklärte, wurden große SUVs traditionell mit Dieselmotoren verbunden. Nach meinem Test dieser Variante mit dem 2.0 TDI wurde mir wieder klar, weshalb das so ist.
Nicht, dass der 1.5 TSI seine Aufgabe nicht erfüllen würde – bei den Fahrleistungen macht er seine Sache sogar sehr gut. Dennoch wirkt der 2.0 TDI, als sei er exakt auf den Einsatzzweck des Tarraco zugeschnitten.
Mit knapp fünf Metern Länge und mehr als 1,8 m Breite ist der SEAT Tarraco alles andere als die ideale Wahl für Fahrten in der Stadt. Seine Stärke liegt vielmehr darin, auf offener Straße Kilometer zu „fressen“.
Genau bei diesem Einsatz fühlt sich der 2.0 TDI mit 150 PS und 340 Nm wie „ein Fisch im Wasser“: Er ermöglicht entspanntes, zügiges und vor allem sparsames Fahren.
Während meiner Zeit mit dem Tarraco ließen sich auf der Landstraße und Autobahn problemlos Verbräuche zwischen 6 und 6,5 l/100 km erzielen; selbst im Stadtverkehr lagen sie kaum über 7 l/100 km.
Als ich versuchte, meine Bewertung im interaktiven „Eco Trainer“ – einem Menü zur Auswertung der Fahrweise – zu verbessern, zeigte der Bordcomputer sogar Durchschnittswerte von 5 bis 5,5 l/100 km an, ohne dass ich dabei besonders langsam unterwegs war.
Der laufruhige und gleichmäßig arbeitende 2.0 TDI findet im manuellen Sechsganggetriebe einen passenden Partner. Die Übersetzung ist stimmig, die Schaltung fühlt sich angenehm an – weniger mechanisch und dynamisch als etwa im Ford Kuga – und sie fördert genau jenen entspannten Fahrstil, den der Tarraco offenbar bevorzugt.
Komfortabel und auf Familien zugeschnitten
Angesichts seiner Außenmaße überrascht es nicht, dass der SEAT Tarraco großzügige Platzverhältnisse bietet und den Innenraum sehr gut nutzt.
Im Fond finden zwei Erwachsene mehr als ausreichend Platz, um bequem zu reisen. Hinzu kommen praktische Details wie USB-Anschlüsse, Lüftungsdüsen an der Mittelkonsole sowie sehr nützliche Klapptische an den Rückseiten der Vordersitze.
Wie der Benziner war auch dieser Tarraco als Fünfsitzer konfiguriert. Dadurch bietet sein Kofferraum ein Volumen von 760 Litern – ein ausgesprochen großzügiger Wert für den Familienurlaub.
Das Fahrverhalten dieses SUVs wird vor allem von Berechenbarkeit, Stabilität und Sicherheit geprägt. In Kurven zeigt er sich kompetent, und an Bord des SEAT Tarraco fühlt man sich dank seiner Fähigkeit, den umliegenden Verkehr auszublenden, beinahe wie in einem „schützenden Kokon“.
SEAT Tarraco: Spitzenmodell aus gutem Grund
Der gut verarbeitete Innenraum des SEAT Tarraco mit seinen hochwertigen Materialien zeigt, dass sich Form und Funktion durchaus miteinander verbinden lassen.
Als Modell, das die neue Designsprache von SEAT außen wie innen eingeführt hat, überzeugt der Tarraco mit guter Ergonomie, ohne auf die stets nützlichen haptischen Bedienelemente zu verzichten.
Das Infotainmentsystem ist umfassend, einfach und intuitiv zu bedienen – wie bei allen SEAT-Modellen – und verfügt erfreulicherweise über einen Drehregler zur Lautstärkeregelung.
Auch die Ausstattung fällt sehr umfangreich aus: Sie reicht von Features wie Apple CarPlay und Android Auto bis zu zahlreichen Sicherheits- und Fahrerassistenzsystemen.
Dazu zählen die automatische Bremsfunktion, der Spurverlassenswarner, die Verkehrszeichenerkennung, der Totwinkelwarner sowie die adaptive Geschwindigkeitsregelung, die übrigens auch bei Nebel sehr gut funktioniert.
Ist er das richtige Auto für mich?
Gut ausgestattet, komfortabel und (sehr) geräumig: Der SEAT Tarraco verdient einen festen Platz auf der Liste aller, die nach einem Familien-SUV suchen.
Die Entscheidung zwischen dem 2.0 TDI mit 150 PS und dem gleich starken 1.5 TSI hängt eher von der Rechnung als von anderen Faktoren ab. Entscheidend ist, ob deine jährliche Kilometerleistung – und die Art der Strecken, auf denen du sie zurücklegst – die Wahl des Dieselmotors rechtfertigt.
Denn obwohl der Preisunterschied in der Ausstattungslinie Xcellence – derselben wie beim anderen von uns getesteten Tarraco – mit rund 1700 Euro zugunsten des Benzinmotors ausfällt, müssen beim Diesel-Tarraco auch die höheren Kfz-Steuern berücksichtigt werden.
Lässt man die wirtschaftlichen Aspekte einmal außen vor und beantwortet die Frage, die diesem Test zugrunde liegt, muss ich zugeben: Der 2.0 TDI „passt“ sehr gut zum SEAT Tarraco.
Als von Natur aus sparsamer Motor hilft er dem SEAT Tarraco, sein Gewicht wirkungsvoll zu kaschieren, ohne den Fahrer zu allzu häufigen Tankstopps zu zwingen.
Zwar genießen Dieselmotoren heute nicht mehr den gleichen Ruf wie früher, doch um bei einem Modell mit den Abmessungen und dem Gewicht des Tarraco vernünftig niedrige Verbräuche zu erzielen, gibt es nur zwei Möglichkeiten: entweder einen Dieselmotor oder eine Plug-in-Hybrid-Version. Letztere erfordert dafür allerdings regelmäßige Besuche an einer Ladesäule.
Solange die zweite Variante noch nicht verfügbar ist – der Tarraco PHEV wurde bereits vorgestellt, kommt aber erst 2021 nach Portugal –, übernimmt die erste weiterhin „die Ehren“ und sorgt dafür, dass das spanische Spitzenmodell in einem (sehr) umkämpften Segment eine beachtenswerte Option bleibt.
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