Green NCAP bewertet die Emissionsleistung von Autos ähnlich, wie Euro NCAP die Sicherheitsleistung von Fahrzeugen beurteilt.
Im Labor und auf der Straße prüft die Organisation die Fahrzeuge unter anspruchsvolleren Bedingungen als jene der gesetzlichen WLTP- und RDE-Protokolle (Real Driving Emissions). Dabei werden drei Bereiche bewertet: der Luftreinheitsindex, der Energieeffizienzindex sowie – neu seit 2020 – der Treibhausgasemissionsindex.
Elektroautos haben dabei naturgemäß einen Vorteil, da sie keine Emissionen verursachen. Begünstigt wird dies zusätzlich dadurch, dass die Bewertung bislang ausschließlich nach dem „Tank-to-Wheel“-Ansatz erfolgt, also nur die Emissionen während der Nutzung berücksichtigt. Künftig möchte Green NCAP eine umfassendere „Well-to-Wheel“-Bewertung einführen. Diese würde beispielsweise auch die Emissionen aus der Fahrzeugherstellung und die Herkunft des Stroms für Elektrofahrzeuge einbeziehen.
Die 24 getesteten Modelle
In dieser Testrunde wurden rund 24 Modelle untersucht: reine Elektroautos, Hybridfahrzeuge ohne Plug-in-Funktion, Benziner, Diesel und Fahrzeuge mit CNG. Die detaillierte Bewertung der einzelnen Modelle ist in der folgenden Tabelle aufgeführt:
| Modell | Sterne |
|---|---|
| Audi A4 Avant 40 g-tron DSG | 2 |
| BMW 320d (Automatik) | 2½ |
| Dacia Duster Blue DCi 4×2 (Handschaltung) | 2½ |
| Honda CR-V i-MMD (Hybrid) | 2½ |
| Hyundai Kauai Electric 39,2 kWh | 5 |
| Jeep Renegade 1.6 Multijet 4×2 (Handschaltung) | 2 |
| Kia Sportage 1.6 CRDI 4×4 7DCT | 1½ |
| Mazda CX-5 Skyactiv-G 165 4×2 (Handschaltung) | 2 |
| Mercedes-Benz C 220 d (Automatik) | 3 |
| Mercedes-Benz V 250 d (Automatik) | 1½ |
| Nissan Qashqai 1.3 DIG-T (Handschaltung) | 2½ |
| Opel/Vauxhall Zafira Life 2.0 Diesel (Automatik) | 1½ |
| Peugeot 208 1.2 PureTech 100 (Handschaltung) | 3 |
| Peugeot 2008 1.2 PureTech 110 (Handschaltung) | 3 |
| Peugeot 3008 1.5 BlueHDI 130 EAT8 | 2½ |
| Renault Captur 1.3 TCE 130 (Handschaltung) | 3 |
| Renault Clio TCE 100 (Handschaltung) | 3 |
| Renault ZOE R110 Z.E.50 | 5 |
| SEAT Ibiza 1.0 TGI (Handschaltung) | 3 |
| Suzuki Vitara 1.0 Boosterjet 4×2 (Handschaltung) | 2½ |
| Toyota C-HR 1.8 Hybrid | 3½ |
| Volkswagen Passat 2.0 TDI 190 DSG | 2½ |
| Volkswagen Polo 1.0 TSI 115 (Handschaltung) | 3 |
| Volkswagen Transporter California 2.0 TDI DSG 4×4 | 1½ |
Wie bei Euro NCAP vergibt auch Green NCAP Sterne von 0 bis 5, die sich aus den Ergebnissen der drei Bewertungsbereiche zusammensetzen. Einige der getesteten Modelle könnten inzwischen nicht mehr erhältlich sein, etwa der Peugeot 2008 der vorherigen Generation. Green NCAP testet ausschließlich Fahrzeuge, die bereits eingefahren sind und einige Tausend Kilometer auf dem Kilometerzähler haben. Dadurch sollen die Ergebnisse die auf der Straße fahrenden Autos besser widerspiegeln. Die Testfahrzeuge stammen von Mietwagenunternehmen.
Erwartungsgemäß erreichen die Elektrofahrzeuge – hier der Hyundai Kauai Electric und der Renault Zoe – als einzige Modelle die Höchstwertung von fünf Sternen. Spannender sind daher die Unterschiede zwischen den Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor: die eingesetzten Kraftstoffe und die Frage, ob sie wie der Honda CR-V i-MMD und der Toyota C-HR von einem Elektromotor unterstützt werden.
Green NCAP: Hybride, Kleinwagen und SUV im Vergleich
Unter den Modellen mit Verbrennungsmotor führt der Toyota-Hybrid die Rangliste an. Der Hybrid von Honda erzielt kein ebenso gutes Resultat, weil die getestete Ausführung keinen Partikelfilter besitzt. Honda teilte jedoch mit, dass dieses Defizit durch die Einführung dieses Bauteils bei den gegen Ende des Jahres produzierten CR-V behoben werde.
Gute Bewertungen sind offenbar bei kleineren Modellen leichter zu erzielen. Der Peugeot 208, Renault Clio und Volkswagen Polo erhalten jeweils drei Sterne; das gilt auch für den SEAT Ibiza in der TGI-Ausführung mit Compressed Natural Gas (CNG). Die größten Fahrzeuge dieser Gruppe – Mercedes-Benz V-Klasse, Opel Zafira Life und Volkswagen Transporter – kommen dagegen nicht über eineinhalb Sterne hinaus. Ihr Energieeffizienzindex wird durch das höhere Gewicht und den schlechteren Luftwiderstandsbeiwert deutlich belastet.
Die getesteten SUV erreichen im Durchschnitt zwei Sterne und schneiden damit im Mittel schlechter ab als die Fahrzeuge, von denen sie abgeleitet sind. Bei den Vertretern der Mittelklasse – den Familienlimousinen und Kombis BMW 3er, Mercedes-Benz C-Klasse und Volkswagen Passat – liegen die Resultate zwischen drei und dreieinhalb Sternen (Mercedes). Verantwortlich dafür sind die verbauten Dieselmotoren, die bereits die aktuellste Euro6D-TEMP-Norm erfüllen.
Diese Bewertungen entsprechen denen der kleineren Autos oder übertreffen sie sogar. Das zeigt, dass die Kritik an Dieselmodellen überzogen sein könnte, wenn es um diese jüngste Motorengeneration geht.
Besonders hervorzuheben ist der Mercedes-Benz C 220 d, der beim Luftreinheitsindex eine auffallend hohe Bewertung erzielt. Das weist auf eine sehr wirksame Abgasnachbehandlung hin. Enttäuschend wirken dagegen die zwei Sterne des Audi A4 Avant g-tron: Seine Gesamtwertung wurde insbesondere durch die niedrige Punktzahl beim Treibhausgasemissionsindex gedrückt, vor allem wegen der Methanemissionen. Beim SEAT Ibiza, dem anderen getesteten Fahrzeug mit CNG-Antrieb, trat dies beispielsweise nicht auf.
Keine getesteten Plug-in-Hybride?
Plug-in-Hybride stehen nach der Veröffentlichung einer Studie von Transport & Environment massiv in der Kritik. Darin wird ihnen vorgeworfen, deutlich stärker zu verschmutzen, als es die offiziellen Werte ausweisen – teils sogar mehr als Fahrzeuge mit reinem Verbrennungsmotor. Green NCAP hat bislang keinen Plug-in-Hybrid getestet, weil dies nach eigener Aussage „sehr komplex“ sei.
Die Testverfahren seien noch nicht abgeschlossen. Dazu erklärt die Organisation: „Um vergleichbare und repräsentative Ergebnisse zu erzielen, muss der Ladezustand der Batterie bekannt sein und es müssen die Ereignisse erfasst werden, bei denen die Batterie (während der Tests) geladen wird“.
Trotz der komplexen Aufgabe kündigt Green NCAP an, dass die nächste Testrunde, deren Ergebnisse im kommenden Februar veröffentlicht werden sollen, Plug-in-Hybridfahrzeuge einschließen wird – werden sie zu denselben Schlüssen wie die Studie von Transport & Environment gelangen?
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