Die moderne Autowelt ist schon kurios. Hätte mir vor sieben oder acht Jahren jemand gesagt, dass ich einmal vor einem Elektro-Crossover wie dem Hyundai Kauai Electric stehen und mich fragen würde, ob er innerhalb der Baureihe – die außerdem Benzin-, Diesel- und Hybridmotoren umfasst – die beste Wahl sein könnte, hätte ich diese Person für verrückt erklärt.
Denn vor sieben oder acht Jahren waren die wenigen verfügbaren Elektroautos wegen ihrer sehr begrenzten Reichweite und der praktisch nicht vorhandenen Ladeinfrastruktur kaum mehr als Verkehrsmittel für den fast ausschließlich städtischen Einsatz.
Ob durch den Dieselgate-Skandal, wie Fernando in diesem Artikel erklärt, oder durch politische Vorgaben: Elektroautos haben in den vergangenen Jahren enorme Fortschritte gemacht und werden heute zunehmend zu einer Alternative für Verbrenner.
Doch reicht das aus, damit der Hyundai Kauai Electric die attraktivste Variante des südkoreanischen Crossover ist? Die folgenden Abschnitte liefern die Antwort.
Angenehm anders
Es braucht keinen besonders genauen Blick, um zu erkennen, dass sich der Kauai Electric von den übrigen Kauai-Modellen unterscheidet. Außen fallen sofort der Verzicht auf einen klassischen Kühlergrill und die Felgen auf, deren Gestaltung stärker auf aerodynamische Effizienz ausgerichtet ist.
Auch im Innenraum zeigt sich ein eigenständiges Konzept. Zwar kommen dort überwiegend harte Kunststoffe zum Einsatz, doch die Verarbeitung verdient angesichts fehlender Klapper- oder Nebengeräusche Lob. Weil kein Getriebetunnel erforderlich ist, konnte die Mittelkonsole höher ausgeführt werden, was erheblich mehr Stauraum schafft.
Sowohl außen als auch innen gefällt mir der Hyundai Kauai Electric. Seine Front wirkt weniger aggressiv, während der Innenraum im Vergleich zu den Varianten mit Verbrennungsmotor moderner und technikorientierter gestaltet ist.
Elektrisch und familientauglich
Obwohl sich das Cockpit optisch unterscheidet, entsprechen die Platzverhältnisse im Kauai Electric nahezu denen der anderen Kauai-Versionen. Der Grund dafür ist einfach: Das Batteriepaket wurde im Unterboden der Plattform untergebracht.
Dadurch bietet der südkoreanische Crossover vier Erwachsenen komfortabel Platz. Lediglich das Kofferraumvolumen ist etwas kleiner: Statt 361 Litern stehen weiterhin akzeptable 332 Liter zur Verfügung.
Hyundai Kauai Electric mit vertrauter Fahrdynamik
Wie erwartet hebt sich der Hyundai Kauai Electric vor allem beim Fahren und im täglichen Gebrauch von seinen Modellbrüdern ab.
In dynamischer Hinsicht bleiben die Unterschiede jedoch überschaubar. Der Kauai Electric knüpft an die bereits bekannten fahrdynamischen Qualitäten der übrigen Varianten an.
Seine Fahrwerksabstimmung verbindet Komfort und Fahrverhalten sehr gelungen. Hinzu kommt eine direkte, präzise und rückmeldungsstarke Lenkung. Zusammen ergibt das ein sicheres, berechenbares und sogar … unterhaltsames Fahrverhalten.
Die Drehmomententfaltung entspricht dem, was man inzwischen von Elektroautos kennt. Die 385 Nm stehen ebenso sofort bereit wie die 204 PS (150 kW). Deshalb ist das südkoreanische Modell ein überzeugender Kandidat für den Titel „König der Ampelsprints“ – und nicht nur dort.
Fahrmodi: Wozu brauche ich sie?
Mit den drei Fahrprogrammen „Normal“, „Eco“ und „Sport“ lässt sich der Kauai Electric problemlos an unterschiedliche Fahrstile anpassen. Der Modus „Normal“ erfüllt seine Aufgabe gut und bildet einen Kompromiss zwischen den beiden Charakterseiten des Kauai Electric. Die interessanteren „Persönlichkeiten“ finden sich allerdings an den beiden Enden des Spektrums.
Der Modus, der aus meiner Sicht am besten zum Charakter des Kauai Electric passt, ist „Eco“. Anders als bei manchen anderen Modellen wirkt er nicht übermäßig einschränkend. Die Beschleunigung fällt zwar weniger energisch aus und alles animiert zum Sparen, dennoch wird man nicht zur „Schnecke auf der Straße“. Zudem sind in diesem Modus Verbräuche von 12,4 kWh/100 km möglich, und die tatsächliche Reichweite kann sogar über den angegebenen 449 km liegen.
Im Modus „Sport“ verwandelt sich der Kauai Electric dagegen in eine Art „südkoreanisches Geschoss“. Die Beschleunigung wird beeindruckend, und bei deaktivierter Traktionskontrolle machen die 204 PS und 385 Nm mit den Vorderrädern „kurzen Prozess“: Die Reifen haben Mühe, den gesamten Vorwärtsdrang der Elektronen auf die Straße zu bringen. Der einzige Nachteil zeigt sich beim Verbrauch. Sobald ich dauerhaft engagierter fuhr, stieg er auf 18–19 kWh/100 km.
Das Beste daran: Wählt man wieder einen der beiden anderen Modi und fährt ruhiger, sinkt der Verbrauch schnell auf 14 bis 15 kWh/100 km. Gleichzeitig wächst die Reichweite auf Werte, bei denen man beinahe fragt: Wozu noch Benzin?
Nicht nur die Interaktion zwischen Mensch und Maschine, sondern auch die Reichweite profitieren von den vier Rekuperationsstufen, die über Schaltwippen am Lenkrad gewählt werden. Sie erlauben es, das Bremspedal beinahe entbehrlich zu machen. Bei sparsamer Fahrweise lassen sie das Auto je nach Bedarf segeln oder beim Verzögern Energie zurückgewinnen. Wer sportlicher unterwegs ist, kann damit beim Anbremsen vor Kurven fast den Effekt der „geliebten“ Gangwechsel beim Herunterschalten nachbilden.
Die Rechnung zum Hyundai Kauai Electric
Nach rund einer Woche am Steuer des Hyundai-Elektroautos muss ich zugeben: Nur ein Faktor hindert mich daran, ihn zur besten Wahl innerhalb der Baureihe des südkoreanischen Crossover zu erklären – sein Preis.
Zwar ist er deutlich sparsamer als jeder seiner Modellbrüder und zugleich stärker als sie alle, doch der Preisunterschied fällt aufgrund der Kosten der Elektrotechnik erheblich aus.
Ein Blick auf die Preise verdeutlicht die Differenz. Das getestete Fahrzeug war in der Ausstattung Premium ausgeführt und kostet ab 46.700 Euro.
Die stärkste vergleichbare Benzinversion verfügt über den 1.6 T-GDi mit 177 PS und Automatikgetriebe und ist ab 29.694 Euro erhältlich. Die leistungsstärkste Dieselvariante mit Automatik, der 1.6 CRDi mit 136 PS, kostet in der Ausstattung Premium ab 25.712 Euro.
Der Kauai Hybrid mit einer maximalen Systemleistung von 141 PS beginnt in der Ausstattung Premium bei 26.380 Euro.
Heißt das, dass du den Kauai Electric von deiner Liste streichen solltest? Natürlich nicht – du musst nur genau rechnen. Trotz seines höheren Kaufpreises fällt für ihn keine IUC an, außerdem kann er staatliche Kaufanreize für Elektroautos erhalten.
Darüber hinaus ist Strom günstiger als fossile Kraftstoffe. Für nur 12 Euro kann man in Lissabon eine EMEL-Parkberechtigung erhalten, Wartungen sind seltener und kostengünstiger, und man kauft ein „zukunftssicheres“ Auto.
Ist er das richtige Auto für mich?
Nachdem ich den Kauai bereits mit Dieselmotor, Benzinmotor und Hybridantrieb gefahren war, war ich besonders gespannt auf den Hyundai Kauai Electric.
Zu den seit Langem geschätzten Kauai-Stärken wie seinem gelungenen Fahrverhalten und der guten Verarbeitungsqualität kommen beim Kauai Electric weitere Vorzüge hinzu: angenehme Gelassenheit am Steuer, äußerst kräftige Fahrleistungen und unvergleichlich niedrige Betriebskosten.
Leise, ausreichend geräumig – keiner der Kauai ist in dieser Disziplin eine Referenz im Segment –, angenehm und leicht zu fahren, beweist dieser Kauai Electric, dass ein Elektroauto das einzige Fahrzeug einer Familie sein kann.
Während meiner Zeit mit ihm verspürte ich nie die viel zitierte „Reichweitenangst“. Dabei habe ich weder eine Lademöglichkeit zu Hause noch eine entsprechende Ladekarte. Tatsächlich ist er eine ausgezeichnete Wahl für alle, die ein wirtschaftliches, unkompliziert zu nutzendes und einfach zu wartendes Auto suchen.
Ist er die beste Variante der Baureihe? Meiner Meinung nach verhindert allein der Preis der Technik, dass der Hyundai Kauai Electric diesen Titel erhält. Er zeigt jedoch klar, dass ein Elektroauto heute keine gewaltigen Kompromisse mehr verlangt.
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