„Habe ich mich da etwa verguckt … Wie viel kostet der?“ Das dürfte die häufigste Reaktion auf die zahlreichen Tests sein, die wir hier und auf unserem YouTube-Kanal veröffentlichen. Ja, es stimmt: Autos sind teuer geworden.
Bei einigen Modellen überrascht ein hoher Preis längst niemanden mehr, etwa bei Fahrzeugen von Premiummarken – obwohl auch wir bisweilen über den Gesamtwert ihrer Extras erstaunt sind. In anderen Fällen sieht die Lage jedoch anders aus, besonders in den kleineren Segmenten und bei Modellen ohne Anspruch auf „sozialen Aufstieg“.
Für einen ordentlich ausgestatteten Kleinwagen reichen 15.000 Euro inzwischen kaum noch aus. Bei einem Fahrzeug des B-Segments sind 20.000 Euro oder fast ebenso viel nötig, wobei man wahrscheinlich beim günstigsten Motor bleiben muss – und dieser passt nicht immer optimal zum vorgesehenen Einsatz. Soll es der angesagte B-SUV sein? Dann kommen für die entsprechende Variante weitere Tausend Euro hinzu, womit man praktisch auf dem Niveau des C-Segments liegt. Und wer „grün“ unterwegs sein möchte, muss für ein Elektrofahrzeug im B-Segment offenbar mindestens 30.000 Euro einplanen.
Manche werden einwenden, dass Preise heute nicht mehr dieselbe Bedeutung haben wie früher. Das stimmt teilweise. Immer mehr Privatkunden entscheiden sich für Modelle wie Leasing mit Servicepaket, und einige Marken haben sogar eigene Abonnements eingeführt – ganz ähnlich wie Mobilfunkanbieter oder ein beliebiger Streaming-Dienst.
Auch Käufer, die sich für den direkten Erwerb entscheiden, verlassen das Autohaus nur selten zum Listenpreis mit einem Neuwagen. An Sonderaktionen mangelt es nicht, und häufig besteht zudem ein gewisser Spielraum für Rabatte.
Trotzdem bleibt der Autopreis einer der entscheidenden Faktoren bei der Kaufentscheidung.
Zu keinem anderen Schluss kommt man, wenn man die Zulassungsstatistiken in Portugal und im übrigen Europa genauer betrachtet. Rechnet man die Neuwagenverkäufe an Unternehmen und Flotten heraus – sie machen bereits rund 60 % des Gesamtmarkts aus –, entsteht eine Rangliste, in der nicht die üblichen Modelle vorn liegen.
Statt Volkswagen Golf und Renault Clio, die 2020 die Verkaufscharts anführten, würden dort Dacia Sandero und Duster auf den Spitzenplätzen stehen. Es sind genau jene Modelle, deren eines zentrales Verkaufsargument ihr niedriger Preis ist. Die Frage bleibt also bestehen …
Warum sind Autos so teuer und werden offenbar immer teurer?
In Portugal wäre es einfach, die nationale Besteuerung verantwortlich zu machen. Doch in den unteren Segmenten, in denen nahezu überall ein kleiner 1,0-Liter-Turbomotor arbeitet, ist der Anteil der ISV-Zulassungssteuer nicht ausschlaggebend. Die Preisunterschiede zu anderen Ländern, etwa zum Nachbarland Spanien, fallen daher nicht übermäßig hoch aus. Elektroautos zahlen zudem keine ISV, während Hybride einen „Rabatt“ von 40 % auf diesen Steuerbetrag erhalten; bei Plug-in-Hybriden steigt er auf 75 %. Wie längst festzustellen ist, bleiben sie dennoch sehr teuer.
Dass Autos zunehmend kostspieliger werden, liegt vor allem an Maßnahmen zur Verringerung der Emissionen und an den höheren Anforderungen an die Sicherheit. Das sind die wichtigsten Gründe, aber nicht die einzigen.
Halogenscheinwerfer leuchten nicht ausreichend? LED-Scheinwerfer sind zweifellos besser, doch was kosten sie eigentlich? Apple CarPlay und Android Auto gelten heute als unverzichtbar, und je mehr USB-Anschlüsse ein Fahrzeug hat, desto besser. Vernetzung wird immer bedeutender. Selbst Komfortausstattungen, die früher Luxusfahrzeugen vorbehalten waren, etwa Sitzheizungen, finden sich mittlerweile in Kleinwagen. Dazu kommen die unverzichtbare XPTO-Audioanlage oder Räder mit einem Durchmesser, auf denen man einen Tisch für vier Personen aufstellen könnte. All das summiert sich.
Grüneres Auto = teureres Auto
Der Kampf gegen Emissionen erfolgt einerseits durch eine höhere Effizienz von Verbrennungsmotoren – sie war noch nie so groß wie heute – und andererseits durch zunehmend ausgefeilte und komplexe Systeme zur Abgasnachbehandlung (Katalysatoren, Partikelfilter und Systeme zur selektiven katalytischen Reduktion). Positiv daran ist: Noch nie waren Motoren so sparsam und so „sauber“.
Rekordverdächtige Verdichtungsverhältnisse, hochentwickelte Materialien und Beschichtungen zur Senkung der inneren Reibung, Zylinderabschaltung, Verbrennungsstrategien und Aufladung sind nur einige der Maßnahmen, die solche Ergebnisse ermöglichen. Der Nebeneffekt: Ein Antriebsstrang kostet heute deutlich mehr als noch vor 10–15 Jahren.
Elektrifizierung zur Emissionssenkung? Auf der Kostenseite eine „Tragödie“. Selbst die einfachste Form der Hybridisierung, ein Mild-Hybrid-System, verursacht am Fließband zusätzliche Kosten von 500 bis 1000 Euro pro Fahrzeug. Bei Hybriden kommen pro Einheit 3000-5000 Euro hinzu. Und wenn der Verbrennungsmotor vollständig entfällt, also bei einem reinen Elektroauto? Gegenüber einem vergleichbaren Verbrenner kann die Produktion eines solchen Fahrzeugs 9000 bis 11.000 Euro mehr kosten.
Dieses letzte Szenario verändert sich allerdings, denn die Kosten der Elektrifizierung sollen sinken. Dafür sprechen höhere Verkaufszahlen und damit größere Skaleneffekte ebenso wie die erwartete Entspannung bei der großvolumigen Batterieproduktion für die Automobilindustrie im kommenden Jahrzehnt. Selbst wenn diese Kosten unter jene von Verbrennungsmotoren fallen sollten, werden sie auf einem höheren Niveau bleiben als gewünscht. Das Ziel für 2025 besteht schließlich darin, einen elektrischen Kleinwagen für knapp unter 20.000 Euro anzubieten.
Sicherer und fast schon selbstfahrend
Autos waren noch nie so sicher wie heute. Nach Jahrzehnten der Weiterentwicklung bei der passiven Sicherheit – etwa durch Knautschzonen, Airbags und mehr – steht in diesem Jahrhundert vor allem die aktive Sicherheit im Mittelpunkt, also die Möglichkeit, einen Unfall von vornherein zu vermeiden. Fahrerassistenzsysteme waren noch nie so zahlreich und so ausgefeilt. Damit sie funktionieren, müssen jedoch Sensoren, Kameras und Radare eingebaut werden – und ja, das bedeutet erneut höhere Kosten.
Bis vor Kurzem konnte man noch entscheiden, ob man diese Systeme bestellen wollte oder nicht – auch wenn Euro NCAP sie für eine Fünf-Sterne-Bewertung praktisch voraussetzt. Seit der zweiten Jahreshälfte 2022 sind viele dieser Assistenten aufgrund europäischer Vorgaben verpflichtend. Dabei spielt es keine Rolle, ob es sich um einen günstigen Kleinwagen oder einen luxuriösen XL-SUV handelt: Beide müssen zwingend Ausstattungen und Systeme besitzen, die von einer Rückfahrkamera über ein autonomes Notbremssystem bis hin zu einem Unfalldatenspeicher oder einem Spurhalteassistenten reichen. Hinzu kommen umstrittenere Lösungen wie der intelligente Geschwindigkeitsassistent oder die Vorrüstung für Wegfahrsperren mit Alkoholmessgerät.
Wer bezahlt das alles?
Für alle, die ein neues und günstiges Auto suchen, sieht die Zukunft nicht einfach aus. Hunderte, teils sogar Tausende Euro werden zu den Herstellungskosten eines Fahrzeugs addiert, damit es sauberer, sicherer und komfortabler wird. Autos sind teurer, und sie werden weiter teurer werden – sowohl wegen gesetzlicher Vorschriften als auch aufgrund der Marktanforderungen.
Den Herstellern bleibt kaum Handlungsspielraum. Entweder übernehmen sie die zusätzlichen Kosten ganz oder teilweise und verringern damit ihre ohnehin meist nicht besonders üppigen Margen erheblich. Oder sie geben diese Kosten an die Kunden weiter.
So sind wir bei der heutigen Situation angelangt, in der sogar darüber diskutiert wird, ob Kleinwagen verschwinden werden. Ein Kleinwagen für 15-20.000 Euro ist schwer zu akzeptieren. Für seine Entwicklung enthält das Lastenheft des Herstellers jedoch in zu vielen Punkten dieselben Anforderungen wie jenes einer Limousine der oberen Mittelklasse im E-Segment – beide unterliegen denselben Vorschriften.
Warum sollte man einen Kleinwagen auf den Markt bringen, dessen Herstellung genauso viel kostet wie die eines Fahrzeugs im B-Segment, ihn aber für weniger Geld verkaufen und damit nichts verdienen? Es überrascht daher nicht, dass europäische Hersteller in naher Zukunft keine neuen erschwinglichen Kleinwagen planen. Selbst die neuen Smart-Modelle, die nie zu den günstigsten gehörten, werden in China entwickelt und produziert. Gleichzeitig wird die Lebensdauer der aktuell angebotenen Modelle über das vernünftige Maß hinaus verlängert, bis sie durch Regulierung vom Markt gedrängt werden.
Ebenso wenig überrascht es, dass Autohersteller Alternativen wie elektrische Leichtfahrzeuge anbieten. Diese Fahrzeugklasse muss nicht dieselben kostspieligen Vorschriften erfüllen wie ein Pkw, ist in ihrer Nutzung jedoch stark eingeschränkt. Dennoch steht eine neue Generation von Kleinwagen bereit, die Mitte des kommenden Jahrzehnts erscheinen soll: rein elektrisch. Dann wird der Erfolg gefeiert werden, weil sie, wie bereits erwähnt, etwas unter … 20.000 Euro kosten können.
Die „Rettung“ dieser unteren Segmente liegt – ob man es mag oder nicht – bei Crossovern und SUVs. Warum? Weil Neuwagenkäufer bereit sind, für diese Karosserieform einige Tausend Euro mehr auszugeben; die Verkaufszahlen belegen es. Technisch unterscheiden sie sich jedoch nicht von den Fahrzeugen des B-Segments, von denen sie abgeleitet sind. Dadurch wird der Kosteneffekt sämtlicher regulatorischer und technischer Ergänzungen abgeschwächt.
Luxusobjekt
Verstehen Sie mich nicht falsch. Viele dieser Ergänzungen in modernen Autos sind tatsächlich notwendig, aber sie bleiben eben … Ergänzungen. Und damit sind sie mit Kosten verbunden.
Eine grundlegende Neuerfindung des Automobils, die den beobachteten Anstieg der Kostenkurve kurzfristig umkehren könnte, ist nicht in Sicht. Allenfalls wird es zu einer stärkeren technischen Vereinheitlichung kommen, um die bestehenden Skaleneffekte weiter auszubauen und diesen Kostenanstieg abzumildern. Das kommende Jahrzehnt wird weiterhin vom Übergang zur Elektrifizierung geprägt sein. Daher ist es nicht verwunderlich, dass Prognosen weiter von steigenden Kosten bei der Fahrzeugproduktion ausgehen.
Hinzu kommt, dass wir durch die bevorstehenden Einschränkungen und Verbote für die bislang noch günstigeren Verbrenner zwangsläufig in Richtung Elektroautos gedrängt werden. Doch selbst mit großzügigen Steueranreizen, wie sie in weiten Teilen Europas gewährt werden, bleiben ihre Preise hoch. In Portugal wirken sie noch teurer, weil die Einkommen dort unter dem europäischen Durchschnitt liegen.
Wie Carlos Tavares, Vorstandsvorsitzender der Groupe PSA, sagte: „Elektroautos sind nicht demokratisch“. Es wird noch lange dauern, bis sie es sind.
Autos sind teuer und werden es in naher Zukunft noch stärker sein.
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