Genesis kommt mit dem elektrischen G80 nach Frankreich. Mit seiner präsidialen Limousinen-Optik verbindet das Fahrzeug erstklassigen Komfort mit einer verblüffend umfangreichen Ausstattung. Es hätte wirklich mehr Bekanntheit verdient.
Genesis? Was ist das eigentlich? Eine berühmte Musikgruppe oder ein weiterer chinesischer Hersteller? Nein: Es handelt sich vor allem um die Premiummarke von Hyundai, die in den USA bereits seit geraumer Zeit vertreten ist und nun endlich in Frankreich startet. Um die Erfolgschancen zu erhöhen, wird das Modellprogramm ausschließlich elektrisch ausgerichtet sein. Ich habe die G80 Limousine ausprobiert, und die Anstrengungen sind eindeutig spürbar. Kann mich das äußerst komfortable und hervorragend ausgestattete Auto von den deutschen Modellen abbringen?
Eine Stille wie in einer Kathedrale, die Mercedes Konkurrenz macht
In diesem Genesis G80 könnte man schnell einnicken. Die Geräuschdämmung ist ganz klar ernst gemeint und soll mit den größten deutschen Limousinen konkurrieren. Gemeint sind Mercedes S-Klasse, Audi A8 und BMW 7er. Also die Schwergewichte der Klasse. Die koreanischen Ingenieure haben deshalb alle nötigen Maßnahmen ergriffen, um selbst kleinste Geräusche zu eliminieren. Den Anfang machen Akustik-Doppelverglasungen vorn und hinten.
Ungewöhnlicher ist das aktive Geräuschunterdrückungssystem, das eine gegenphasige Schallwelle erzeugt und Störungen in Echtzeit auslöscht. Zudem sind spezielle Reifen verbaut, welche die Abrollresonanzen begrenzen, während die Radhäuser zusätzlich verstärkt wurden. Ein Elektromotor arbeitet zwar von Natur aus leise, kann jedoch unerwünschte Pfeifgeräusche verursachen. Deshalb wurde seine Steuerung entsprechend angepasst.
Keine endlose Optionsliste: Genesis setzt die deutschen Marken unter Druck
Die deutschen Hersteller nutzen ihren Bekanntheitsgrad, um kräftig ins Portemonnaie zu greifen. Optionen häufen sich und werden teils in Form besonders ärgerlicher Abonnements angeboten. Anstrengend, oder? Bei Genesis gibt es das nicht: Die Liste der Extras fällt deutlich kürzer aus. Für den G80 stehen lediglich drei Optionen in Paketform zur Auswahl. Bestellt werden können die Hinterachslenkung sowie zwei Komfortpakete.
Die Serienausstattung der einzigen Ausstattungslinie Luxury ist jedoch bereits sehr umfangreich. Dazu zählen Lederausstattung, 19-Zoll-Felgen, Head-up-Display, 27-Zoll-OLED-Bildschirm, Wärmepumpe, Zwei-Zonen-Klimaautomatik, Smartphone-Schlüssel, Bang-&-Olufsen-Soundsystem mit 17 Lautsprechern, 360°-Kamera, teilautonomes Fahren, beheizbare Sitze und ein beheizbares Lenkrad und vieles mehr. Das könnte durchaus den Ausschlag geben …
570 km Reichweite: die Achillesferse des koreanischen Modells?
Ein Flaggschiff muss Grenzen verschieben, um zu zeigen, was eine Marke leisten kann. Beim Thema Reichweite ist der G80 allerdings nicht das beste Beispiel, denn mit einer Ladung sind nur 570 km möglich. In dieser Klasse würde man mindestens 700 km Reichweite erwarten! Dafür ist zum Teil die im Vergleich zur Konkurrenz kleinere Batterie mit 94,5 kWh verantwortlich, während Wettbewerber meist über mehr als 100 kWh verfügen.
Warum wurde die Kapazität also nicht weiter erhöht? Anders als einige Rivalen basiert der elektrische G80 auf einer Mehrenergie-Plattform, die ursprünglich für den G80 mit Verbrennungsmotor entwickelt wurde. Daher lässt sich nicht so viel Batterie unterbringen wie bei einer Elektroplattform, bei der alles auf eine maximale Kapazität ausgelegt ist. Auf langen Strecken wird es folglich umständlicher als mit anderen Modellen.
800-Volt-Architektur auf dem Papier: Ernüchterung an der Ladesäule?
Das eigentliche Problem liegt jedoch woanders. An der Ladesäule zeigt sich, dass der Wagen nicht so schnell lädt wie erwartet. Hyundai verfügt schließlich über eine leistungsfähige 800-Volt-Architektur. Damit müssten alle Voraussetzungen erfüllt sein, damit Genesis als Hyundais Premiummarke dieselbe Technik nutzt, oder? Das stimmt zwar, doch nur auf dem Papier: In der Praxis ist die Ladeleistung überraschend niedrig!
Genesis gibt maximal 250 kW an, was im Segment weit von einem Spitzenwert entfernt ist. Viele Modelle überschreiten inzwischen 300 kW. Angeschlossen an die Ladesäule fällt die Leistung sogar noch geringer aus. Mein Langstreckentest hat an Ionity-Stationen einige Schwächen offengelegt. Der vollständige Ablauf folgt diesen Sonntag, wenn der Reisebericht veröffentlicht wird. Bis dahin bleibt diese Limousine mit einem Einstiegspreis von mindestens 82.000 € dennoch eine originelle Alternative zu den deutschen Modellen.
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