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Volkswagen: Oliver Blume fordert noch tiefere Einschnitte

Mann im Anzug beobachtet Autoproduktion mit Robotern und Arbeitern in gelben Westen in Fabrikhalle.

Volkswagen hat bereits den Abbau von Tausenden Arbeitsplätzen angekündigt, plant eine deutliche Straffung seines Modellprogramms und verfügt in mehreren deutschen Werken über Überkapazitäten. Für Oliver Blume reicht das jedoch noch nicht aus.

Der Vorstandsvorsitzende des Volkswagen-Konzerns hält weitergehende Einsparungen für erforderlich, um die Wettbewerbsfähigkeit wiederherzustellen. Das Unternehmen steht dabei unter dem Druck mehrerer ungünstiger Faktoren: zunehmend starker chinesischer Konkurrenz, sinkender Gewinne in China, US-Importzöllen und Überkapazitäten in der europäischen Produktion.

Vor diesem Hintergrund richtete Blume eine besonders deutliche Warnung an die Belegschaft. In einem internen Dokument, das Reuters vorliegt, bezeichnete der Konzernchef die Lage als „mehr als kritisch“.

Kosten liegen weiterhin deutlich über denen der Konkurrenz

Das Ausmaß des Problems zeigt sich besonders bei den sogenannten indirekten Kosten. Dazu zählen Verwaltungsfunktionen, Infrastruktur sowie weitere Bereiche, die das operative Geschäft unterstützen.

Nach Angaben von Blume liegen diese Ausgaben noch immer mehr als 30% über denen vergleichbarer Unternehmen. Eine Differenz, die Volkswagen nach Einschätzung des CEO nicht länger tragen kann, wenn der Konzern wettbewerbsfähig bleiben will.

Zwar konnte der Konzern einen Teil dieser Kosten bereits senken, doch die Profitabilität bleibt deutlich hinter den Erwartungen zurück. Im ersten Halbjahr 2026 lag die operative Marge bei 3,8%.

Blume räumt ein, dass eine Marge von unter 4% angesichts der derzeitigen Branchenlage auf den ersten Blick akzeptabel wirken könnte. Seiner Ansicht nach reicht sie aber nicht aus, um langfristig die Mittel für Investitionen in neue Technologien, neue Modelle und die eigenen Werke zu erwirtschaften.

Genau hier setzen die Stellenstreichungen an. Seit Ende 2024 haben Volkswagen, Audi, Porsche und CARIAD, das Softwareunternehmen des Volkswagen-Konzerns, vereinbart, bis 2030 rund 50.000 Arbeitsplätze in Deutschland abzubauen. Dies soll vor allem über Frühverrentungen und freiwillige Austritte erfolgen. Etwa 37.000 Vereinbarungen wurden bereits unterzeichnet.

Damit könnte es allerdings noch nicht getan sein. Im Raum steht der Abbau weiterer 50.000 Arbeitsplätze weltweit. Blume betonte ausdrücklich, dass diese Zahl kein festes Ziel darstellt. Sie beruht vielmehr auf einer Schätzung, welche Einsparungen nötig wären, um die Kostenstruktur von Volkswagen an die der Konkurrenz anzunähern.

Weniger Volkswagen-Modelle und Werke mit ungewisser Zukunft

Die Kostensenkungen sollen sich nicht allein auf die Belegschaft beschränken. Der im Juli vorgestellte Plan des Konzerns sieht vor, die Modellpalette um bis zu 50% zu kürzen und die Komplexität des Angebots um bis zu 75% zu reduzieren. Die verfügbaren Ressourcen sollen auf die profitabelsten Produkte und Segmente konzentriert werden.

Auch bei den Produktionskapazitäten besteht ein Überhang. Blume erklärte, dass die Werke in Emden, Hannover, Zwickau und Neckarsulm unter den gegenwärtigen Bedingungen in den kommenden zehn Jahren voraussichtlich keine wettbewerbsfähige Auslastung erreichen werden.

Das bedeutet zumindest vorerst nicht, dass diese Standorte vor der Schließung stehen. Der CEO unterstrich, dass dazu bislang keine Entscheidung getroffen wurde. Der Konzern suche nach Alternativen für jene Werke, in denen die Automobilproduktion möglicherweise nicht mehr wirtschaftlich sein wird.

Nicht alle teilen das Volkswagen-Ziel

Das Problem besteht darin, dass selbst innerhalb von Volkswagen kein Konsens darüber herrscht, wie weit der Umbau gehen soll. Der Konzern hat sich vorgenommen, bis 2030 eine operative Marge zwischen 8% und 10% bis 2030 zu erreichen – mehr als doppelt so viel wie im ersten Halbjahr dieses Jahres.

Christiane Benner, Vorsitzende der einflussreichen Gewerkschaft IG Metall und stellvertretende Vorsitzende des Volkswagen-Aufsichtsrats, hält dieses Ziel für unrealistisch. Gegenüber Automotive News Europe ordnete sie das Vorhaben angesichts der aktuellen wirtschaftlichen und geopolitischen Lage sogar dem Bereich der „Fantasie“ zu.

Benner warnt zudem davor, dass ein Finanzziel dieser Größenordnung weit mehr beeinflusst als Zahlen in einer Tabelle: Es entscheidet mit darüber, welche Modelle im Programm bleiben und welche Werke eine Zukunft haben.

In den kommenden Wochen könnten sich Antworten ergeben. Der Volkswagen-Aufsichtsrat soll am 4. September erneut über den Restrukturierungsplan beraten. Bis dahin wird Blume mehrere deutsche Werke besuchen, um den Beschäftigten zu erläutern, weshalb er weitere Einschnitte für unvermeidlich hält.

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