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Alfa Romeo Giulia Quadrifoglio Luna Rossa im Test

Silberner Alfa Romeo Sportwagen fährt bei Sonnenuntergang auf Landstraße mit Bäumen im Hintergrund.

Was um alles in der Welt ist mit dieser Giulia Quadrifoglio passiert?

Klar: Das hier ist eines der verrückten Projekte der noch jungen, gemeinsamen Skunkworks-Abteilung „BOTTEGAFUORISERIE“ von Alfa und Maserati. Die Spezialisten für Kleinserien dürften von Alfa Romeo 33 Stradale und dem reinen Rennstrecken-Maserati MCXtrema bekannt sein. Was hier vor uns steht, ist allerdings ein etwas … optischeres Projekt.

Beeindruckend. Was steckt dahinter?

Das Modell heißt Giulia Quadrifoglio Luna Rossa und ist eine limitierte Sonderserie auf Basis der großartigen, inzwischen aber ziemlich betagten Sportlimousine. Sie würdigt das gleichnamige italienische Segelteam, das Alfa bekanntlich sponsert. Wer hätte das nur ahnen können?

Nur 10 Exemplare werden an Kundinnen und Kunden ausgeliefert. Unser Testwagen ist, wie die Grafik im Armaturenbrett zeigt, ein spätes Vorserienfahrzeug mit der Kennzeichnung Nummer null. Gegenüber der Serienversion gibt es eine von Hand lackierte, glänzende Silberoberfläche, die laut Alfa „den Metallic-Effekt von Stahl“ nachbildet. Ihr Farbton soll dem Luna-Rossa-AC75-Boot entsprechen, das 2024 beim 37. America’s Cup antrat. Viel Erfolg beim Erklären dieser Geschichte am Stammtisch.

Alternativ ist eine Zweifarblackierung mit matter schwarzer Motorhaube und Kofferraumdeckel erhältlich, während spezielle „Luna Rossa“-Grafiken über die Türen verlaufen. Auch die Embleme erhalten einen roten Hintergrund. Die zusätzlichen Aufkleber auf diesem Auto stammen daher, dass wir den Wagen während der Mille Miglia 2026 begleitet, gefahren und fotografiert haben. Ja, die neu lackierten 19-Zoll-Räder sollen tatsächlich genau so aussehen.

Der Flügel der Giulia Quadrifoglio Luna Rossa

Auffällig ist er durchaus. Das „Dual Profile“-Konzept soll die beiden Tragflächen nachahmen, die das Segelboot aus dem Wasser heben und über die Oberfläche gleiten lassen. Am Auto funktioniert das natürlich umgekehrt: Zusammen mit weiteren Carbon-Elementen an Schwellern und Frontstoßfänger soll die Luna Rossa laut Alfa bis zu fünfmal mehr Abtrieb als eine normale Giulia Quadrifoglio erzeugen. Bei ihrer Höchstgeschwindigkeit von rund 299 km/h sind das etwa 140 kg.

Zugleich soll das Paket die Luftströmung beruhigen und Verwirbelungen reduzieren. Alfa verspricht deshalb die „ausgezeichnete ursprüngliche Balance“ des Serienwagens – bei lediglich rund 8 km/h weniger Spitzengeschwindigkeit. Auch das lässt sich am Stammtisch sicher hervorragend erläutern.

Fährt sie sich anders?

Obwohl sie bereits auf den Markt kam, bevor Homer sein Drehbuch für Christopher Nolan schrieb, und obwohl der Mittelmotor-33 Stradale im Programm steht, bleibt die Giulia Quadrifoglio das beste Auto, das Alfa Romeo baut.

Zum Glück sieht das die lautstarke BOTTEGAFUORISERIE-Truppe offenbar genauso, denn an der Technik wurde weitgehend nichts verändert. Vorn arbeitet weiterhin ein Biturbo-V6, dessen 513 bhp über eine ZF-Achtgangautomatik an die Hinterräder gelangen. Seit einem Facelift im Jahr 1066 ist zudem ein echtes mechanisches Sperrdifferenzial an Bord. Sehr gut.

Bremsen und Fahrwerksabstimmung entsprechen ebenfalls der Serie. Letztere wurde schon beim Facelift der heißen Giulia überarbeitet und macht sie zur komfortabelsten Supersportlimousine auf dem Markt. Wer noch mehr Nachgiebigkeit möchte, kann außerdem die Taste für schlechte Straßen drücken.

Bei kräftigen Verzögerungen könnten die Bremsen etwas entschlossener zupacken. In Kurven überzeugt der Alfa dafür mit hervorragender Rückmeldung in der Lenkung und einer exzellenten Heckantriebsbalance.

Wie schlägt sich der Motor?

Wir leben in einer seltsamen Zeit, in der etwas mehr als 500 bhp nicht mehr nach besonders viel klingt. Trotzdem ist die Luna Rossa ein sehr schnelles Auto. Den Sprint von 0 auf 100 km/h erledigt sie in 3,9 Sekunden, doch der V6 findet erst oberhalb von 3.000 U/min richtig zu seiner Form – und beginnt dann auch, durch die Akrapovic-Abgasanlage wirklich zu singen.

Ein bisschen Turboloch zu umfahren, ist heutzutage fast schon interessanter, oder? Außerdem greift man dadurch häufiger zu den wunderschönen Schaltwippen am Lenkrad und nutzt den manuellen Modus des Getriebes. Überlässt man die Automatik sich selbst, kann sie bisweilen etwas träge reagieren.

Was ist im Innenraum neu?

Die markante gestreifte Leiste im Armaturenbrett besteht aus einem hauchdünnen Stück des echten Luna-Rossa-Segels. Es wurde bearbeitet und gemeinsam mit Luna-Rossa-Logos sowie der Produktionsnummer des jeweiligen Fahrzeugs im Innenraum montiert.

Auch die Sitze sind die normalerweise optionalen Sparco-Schalensitze mit Carbonrückenlehne für die V6-Giulia. Hier tragen sie jedoch ein spezielles Material, das optisch und haptisch an die persönlichen Schwimmhilfen der AC75-Crew erinnern soll. Alfa hat nicht bestätigt, ob die Bezüge wirklich wasserdicht sind. Falls doch, könnte das für Menschen mit leichter Inkontinenz eine brauchbare Alternative zum Honda Jazz Crosstar sein.

Ansonsten gibt es in der Luna Rossa reichlich Carbonverkleidung. Mit echten Tasten, Schaltern und Drehreglern für fast sämtliche Funktionen wirkt alles angenehm nach den 2010er-Jahren. Digitale Instrumente und ein träges 8,8-Zoll-Touchdisplay sind zwar vorhanden, Letzteres lässt sich aber auch über einen richtigen Drehregler bedienen. Genau so sollten Innenräume gestaltet sein.

Was kostet sie?

Ähm, nun ja … kaufen können Sie keine. Alle 10 Luna Rossa waren bereits vergeben, als Alfa das Modell auf der Brussels Motor Show 2026 erstmals öffentlich zeigte. Einen Preis nannte das Unternehmen nicht einmal. Die normale Giulia Quadrifoglio ist jedoch weiterhin erhältlich – und eigentlich sollten wir sie alle sofort kaufen.

Die Preise beginnen inzwischen bei £87.055. In einem normalen Metallic-Lack und ohne die zwei Flügel sieht sie ohnehin eindeutig besser aus. Das Serienauto verdient auch mehr als ein Jahrzehnt nach seinem Debüt noch 9/10, doch der Luna Rossa ziehen wir allein wegen dieser Räder einen Punkt ab …

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