Zum Inhalt springen

Dacia Sandero und Sandero Stepway im ersten Fahrtest

Oranger Dacia Sandero 3 SUV auf weißer Ausstellungsfläche in einem Autohaus.

Wir haben hier bereits alle Neuheiten dieser dritten Generation ausführlich vorgestellt und wissen auch schon, was sie kosten werden, wenn sie Ende Januar des kommenden Jahres in Portugal auf den Markt kommen – die Bestellungen starten bereits am 15. Dezember. Deshalb kommen wir direkt zur entscheidenden Frage: Überzeugen die neuen Dacia Sandero und Sandero Stepway als Alternative zu anderen Modellen ihres Segments?

Kurz und bewusst vereinfacht lautet die Antwort: JA! Zu diesem Schluss kamen wir nach unserem ersten Kontakt mit der dritten Modellgeneration in Portugal – live und in Farbe.

Der Preis bleibt selbstverständlich eines der wichtigsten Argumente des Sandero der dritten Generation. Falls noch Zweifel daran bestehen, dass der Preis beim Neuwagenkauf weiterhin zu den wichtigsten Entscheidungskriterien gehört: Der Sandero führt seit einigen Jahren die privaten Neuzulassungen in Europa an und ist inzwischen auch in Portugal Marktführer.

Zwar ist er mit Einstiegspreisen ab 9000 Euro das günstigste in Portugal erhältliche Auto und liegt damit viele Tausend Euro unter seinen Segmentrivalen. Diese Differenz zeigt sich jedoch nicht in seinen Fähigkeiten und Eigenschaften. Insbesondere die besser ausgestatteten Varianten sind zwar teurer, bleiben aber ausgesprochen preisattraktiv und stellen vollwertige Alternativen zu möglichen Konkurrenten im Segment dar.

Das bestätigte unser erster Fahrtermin, bei dem Guilherme Costa den Sandero Stepway ECO-G vorstellt, die bivalente Ausführung für Benzin und LPG. Ausgerechnet zählt sie mit 15.000 Euro zu den teuersten Sandero-Versionen, wird aber ebenfalls stark nachgefragt. Die ECO-G-Varianten des Sandero machen in Portugal bereits 35 % der gesamten Baureihenverkäufe aus.

Der voraussichtlich beliebteste Dacia Sandero

Am beliebtesten dürfte allerdings die Version sein, die ich selbst fahren konnte: der Dacia Sandero TCe 90 mit Sechsgang-Handschaltung und der Ausstattung Essential, der weniger als 11.500 Euro kostet. Er ist nicht der 9000-Euro-Sandero, bietet aber das deutlich ausgewogenere Gesamtpaket.

Serienmäßig verfügt er über beachtliche 90 PS und 160 Nm – anders als die 9000-Euro-Version mit dem 65 PS und 95 Nm starken, turbolosen SCe. Dazu kommen komfortrelevante Ausstattungen wie Tempomat oder auch die Zentralverriegelung, ebenso wie Media Control, auf das ich später noch eingehe. Beim Essential sind außerdem Optionen erhältlich, die beim Access nicht verfügbar sind, etwa die Klimaanlage oder das Pack Comfort mit Fahrerarmlehne, höhenverstellbarem Fahrersitz und in der Tiefe verstellbarem Lenkrad. Beides war im gefahrenen Fahrzeug verbaut.

Besonders interessant ist die Infotainment-Lösung. Für den neuen Dacia Sandero stehen drei Systeme zur Auswahl; Media Control ist die günstigste Variante und aus meiner Sicht zugleich die spannendste.

Mit Media Control gibt es keinen heute üblichen, tabletähnlichen Touchscreen. Bei den höher ausgestatteten Sandero-Modellen ist ein solcher Bildschirm dagegen vorhanden: Media Display und Media Nav nutzen jeweils ein 8″-Display. Stattdessen übernimmt beim Media Control das eigene Smartphone die Rolle des Infotainmentsystems und wird dafür in einer speziellen Halterung befestigt.

Nach der Installation der App Dacia Media Control stehen im Sandero zahlreiche Funktionen bereit – vom Radio über das Telefon bis zur Navigation, die auf bereits installierte Anwendungen wie Google Maps zurückgreift. Teilweise lässt sich die App über die Lenkradtasten bedienen; Informationen werden zudem im monochromen Bordcomputer des Kombiinstruments angezeigt. Alternativ erfolgt die Steuerung direkt über das Smartphone, das schließlich ebenfalls ein Touchscreen ist. Die App ist unkompliziert aufgebaut, mit einfacher Navigation, klarer Grafik und großen Schaltflächen.

Dacia hat hier eine äußerst clevere Lösung gewählt: Neben den üblichen Fahrzeugfunktionen bleiben sämtliche Funktionen und Apps des Smartphones verfügbar, ohne zusätzliche Kosten für die Marke oder den Fahrzeugpreis zu verursachen. Liegt darin die Zukunft der Infotainmentsysteme?

Kompetent auf jeder Strecke

Auf der Straße zeigte sich der neue Dacia Sandero deutlich kompetenter, als ich erwartet hatte. Beim Namen Sandero denkt man schnell an „Low Cost“, doch im Innenraum und während der Fahrt verschwindet dieser Eindruck zumindest beinahe vollständig.

Das neue Interieur wirkt optisch ansprechender. Die Comfort-Version als höchste Ausstattungsstufe hinterlässt durch Stoffbezüge an Türen und Armaturenbrett einen hochwertigeren Eindruck, während der Stepway zusätzlich farbige Akzente erhält. Doch auch der schlichtere, farblich zurückhaltende Sandero Essential ist kein unangenehmer Aufenthaltsort.

Zwar bestehen sämtliche Oberflächen aus harten und wenig angenehm wirkenden Kunststoffen, doch darin unterscheidet er sich nicht von erheblich teureren Angeboten desselben Segments. Positiv fällt dagegen die Verarbeitung auf, die dem Segmentdurchschnitt entspricht – erst Kopfsteinpflaster legt ihre Grenzen offen.

Im Vergleich mit dem Renault Clio, dem Modell, mit dem er die meisten Gene teilt – beide basieren auf der CMF-B –, erreicht der Dacia Sandero vor allem bei Anmutung, Solidität und Geräuschdämmung nicht dessen Niveau. Der Abstand ist jedoch längst nicht so groß, wie es die Preisdifferenz zwischen beiden Modellen vermuten ließe.

Eine weitere angenehme Überraschung war der Fahrkomfort. Bei dieser Fahrveranstaltung ging es von Lissabon nach Leiria und zurück, über Autobahnen und Landstraßen mit langen Etappen am Steuer. Natürlich bleibt er ein Kleinwagen, doch der Komfort ist sehr überzeugend: Die Sitze bieten ordentlichen Halt, und die Federung erlaubt es, auch längere Reisen ohne Bedenken anzutreten.

Die 90 PS und insbesondere die 160 Nm des 1.0-Turbomotors erwiesen sich dafür ebenfalls als ausreichend. Schnell ist das Modell nicht, doch in Verbindung mit dem neuen Sechsgang-Handschaltgetriebe bietet es eine durchaus überzeugende Leistungsentfaltung. Das ausschließlich im Renault-Werk Cacia gefertigte JT 4 ist gegenüber dem bisherigen Fünfganggetriebe für diesen Motor eine klare Verbesserung.

Auch beim Verbrauch gab sich der Sandero sparsam: Auf Landstraßen lagen die Werte bei rund 5,5 l/100 km, auf der Autobahn stiegen sie um einen Liter oder etwas mehr. Dabei wurde nicht verbrauchsbewusst gefahren, und die Wetterbedingungen waren teilweise sehr schlecht, mit Regen und starkem Wind. Anders sieht es aus, wenn der TCe 90 mit dem CVT-Getriebe mit stufenloser Übersetzung kombiniert wird. Auf denselben Strecken steigt der Verbrauch nicht nur um einen Liter oder sogar mehr, auch die Fahrleistungen werden schlechter und die Nutzung unangenehmer, sobald man zügiger vorankommen muss.

Platz ist reichlich vorhanden

Zu seinen Qualitäten als Langstrecken- und Familienauto trägt auch das Raumangebot bei. Er besitzt einen der größten Kofferräume seiner Klasse und zählt in der zweiten Reihe zu den geräumigsten Kleinwagen. Als einer der wenigen kann er glaubhaft für drei Personen ausgelegt werden, wenn auch nicht mit besonders viel Freiraum. Der Grund dafür ist vermutlich seine Breite. Der neue Dacia Sandero ist der breiteste Kleinwagen beziehungsweise das breiteste Modell des B-Segments auf dem Markt.

Mit beinahe 1,85 m ohne Außenspiegel ist er fast 12 cm breiter als sein Vorgänger und 5 cm breiter als der ohnehin recht breite Clio. Das sind Maße, die man eher von Fahrzeugen des … D-Segments kennt: Selbst ein Volkswagen Passat ist beispielsweise fast 2 cm schmaler!

Andererseits trägt gerade diese etwas übertriebene Breite entscheidend zum robusteren, erwachseneren und sogar anspruchsvolleren Auftritt der dritten Generation des neuen Dacia Sandero bei. Wie wir feststellen konnten, spiegelt sich dieser Eindruck auch in seinen Eigenschaften und Qualitäten wider.

Dacia hat einen Gewinner in der Hand!

Kommentare

Noch keine Kommentare. Sei der Erste!

Kommentar hinterlassen