„The Standard of the World“. „Be Iconic“. „Dare Greatly“ … Auf der Suche nach einer neuen Identität hat Cadillac in den vergangenen Jahrzehnten zahlreiche Markenclaims ausprobiert. Doch erst seit relativ kurzer Zeit wird die Marke diesem Anspruch tatsächlich gerecht.
Drehen wir die Zeit ins Jahr 2015 zurück: Aus Sicht der meisten Menschen bestand das Modellprogramm aus dem SUV Escalade sowie einer Reihe guter, aber verwirrend ähnlicher grosser Limousinen mit ebenso rätselhaften dreistelligen Bezeichnungen. Dass wir Cadillac damals nicht endgültig abgeschrieben haben, lag an gelegentlichen Signalen dafür, dass die Marke im Innersten noch wusste – oder sich erinnerte –, was amerikanischer Luxus wirklich bedeutet.
Ein Beleg dafür waren zwei fantastische Konzeptfahrzeuge, die beide vom Ariel-Atom-Designer Niki Smart entworfen wurden: der viertürige, offene Hybrid-Elektro-Ciel von 2011 und das kompromisslos gangsterhafte Elmiraj-Executive-Coupé von 2013. Wären beide Modelle in Serie gegangen – und für mehr als 1.000 der atemberaubenden Ciel lagen nachweislich Bestellungen nach dem Motto „Blankoscheck, nehmen Sie mein Geld“ vor –, hätte die Renaissance von Cadillac vielleicht schon ein Jahrzehnt früher beginnen können.
Stattdessen mussten wir weitere 10 Jahre warten – und mehr kosmetische Eingriffe und Karosserieänderungen ertragen als die gesamte Kardashian-Familie –, bis die Marke wieder einen Weg zur Grösse gefunden hatte. Und dieser Weg hat sich als bemerkenswert erwiesen. In einem scheinbar ununterbrochenen Strom aus Aktivitäten, Ankündigungen und Erfolgen entwickelte sich Cadillac von einer blassen Marke erneut zu einem der kühnsten und ehrgeizigsten Namen der Automobilwelt.
Cadillacs Elektrooffensive mit Lyriq, Celestiq und Escalade IQ
Beginnen wir bei den Fahrzeugen. Der deutliche Aufschwung nahm 2020 Fahrt auf, als Cadillac mutig und eindeutig beschloss, das gesamte Modellportfolio auf Elektroantrieb umzustellen. Ironischerweise wurde dieser Kurswechsel mit der Ankündigung von Serienversionen der Elektro-Konzeptfahrzeuge Lyriq und Celestiq eingeläutet.
Als Basis dient das ausgesprochen clevere, Lego-artige modulare Ultium-Batteriesystem von GM, das markenübergreifend eingesetzt wird, auch bei Hummer. Der Lyriq kam 2022 in die Welt nach Covid. 2024 folgten mit dem IQ und IQL batterieelektrische Varianten des traditionsreichen Escalade. Danach erschien die grosse Neuigkeit: der speziell entwickelte Celestiq mit seinen 5,5 Metern Länge – die amerikanische Antwort auf Rolls-Royce.
Man könnte meinen, das reiche aus, um ein Team vollständig auszulasten. Doch Cadillac hatte gerade erst begonnen. Kurz nach der Limousine mit Kamm-Heck ergänzte die Marke den Optiq als Einstiegs-EV und den Vistiq, ein SUV mit drei Sitzreihen, das zwischen Lyriq und Escalade IQ positioniert ist.
Umso beeindruckender ist das, weil Cadillac parallel weiterhin seinen besten regulären Escalade aller Zeiten sowie die hervorragenden benzinbetriebenen Modelle CT4 und CT5 Blackwing anbietet. Letztere erhalten in ihrem letzten Produktionsjahr nun eine Celestiq-ähnliche Fülle an individuellen Ausstattungsoptionen.
V-Modelle und Cadillacs Rennsport-Erfolge
V-Spec-Versionen sämtlicher Elektroautos werden die Blackwing-Modelle auf der Strasse ersetzen – Cadillac weiss, dass Hochleistungsvarianten unverzichtbar sind. Die wirklich grossen Schlagzeilen schreibt die Marke jedoch auf der Rennstrecke.
2025 sicherte das WEC Hertz Team Jota V-Series.R Cadillac die allererste Pole-Position bei den 24 Stunden von Le Mans und gewann anschliessend das Sechs-Stunden-Rennen von São Paulo. In der IMSA, der entsprechenden US-Rennserie, entschied Cadillac Petit Le Mans zum zweiten Mal in Folge für sich.
Cadillac steigt 2026 als Werksteam in die Formel 1 ein
All das ist beeindruckend, wird jedoch von der schwindelerregenden Nachricht noch übertroffen, dass Cadillac – ja, Cadillac! – ab 2026 als vollwertiges Werksteam in die Formel 1 einsteigen wird. Das Projekt entsteht in Zusammenarbeit mit TWG Motorsport, doch damit dürfte der alte Cadillac endgültig begraben sein.
Innerhalb eines Jahres hat die Marke eine komplette Palette neuer Elektroautos eingeführt, darunter einen eigenständigen Rolls-Royce-Konkurrenten, die Pole-Position in Le Mans erobert und ein vollständiges Formel-1-Team an den Start gebracht. Der heutige Claim lautet: „Cadillac. Hören Sie nie auf anzukommen“. Angesichts all dessen schlagen wir für 2025 allerdings etwas Kürzeres vor: einfach „Wow“.
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